Sonntag, 8. November 2026

Die unschuldigen Opfer der Machtgier, Matthias und Sergej

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

 

 

Die unschuldigen Opfer der Machtgier, Matthias und Sergej     

  

Sie waren zwei Soldaten, gegen Krieg, gegen Töten, Zerstörung

An der Front, im 2. WK, sollten sie sich gegenseitig hinrichten

Der Zufall wollte es, dass sie es nicht getan, sie lebten Hoffnung

Einen Augenblick, genau diesen Augenblick, beide aufs Schießen verzichten

 

Beide rutschten in den Frontgraben

Matthias, einst Zimmermann, der Bruder meiner Mutter, aus dem Banat

Sergej, ein russischer Soldat, Ingenieur, beide Angst haben

Sind gegen Krieg. Krieg, in vollen Zügen, wohl eine Schicksalstat

 

Sie tauschten Namen, Adressen, Wohnort

Sie waren sich als Mensch so nah

In diesem Schützengraben, welch Zufallsort

Dass sie sich begegnet. Schossen beide nicht, ein Wunder geschah

 

Dann, dann trennten sich ihre Wege, sie versprachen sich

Wenn sie überleben, werden sie sich suchen

Ihre Muttersprache so verschieden, Sergej sprach Deutsch, merkwürdig

Wie nah sie sich waren, versprachen sich, nach dem Krieg zu suchen

 

Wochen vergingen, jeder kämpfte an seiner Front

Ziele änderten sich, Matthias musste weiterziehen

So fern, in der Heimat, seine Liebe wohnt

Seine Gedanken oft zu ihr hinziehen

 

Das Töten, die Zerstörungen, welch Grausamkeit

In einem Krieg, der niemals Sieger kennt

Auf dem Weg durch Krieg und Töten, ward sie beendet, Matthias´ Zeit

Erschossen, er, seine fünf Freunde, Straße von Glamok. Kreuze? Keine Namen nennt

 

Sergejs Weg führte ihn in eine andere Richtung

Durchs damalige Jugoslawien, durch Hatzfeld

Wo er die Adresse von Matthias gesucht. Welch Begegnung

Dessen Eltern ihm sagen mussten, dass er erschossen, jetzt in der Sternenwelt

 

Er wusste nicht, dass sein Freund erschossen, tot

Fremde Menschen weinten in herzlicher Umarmung

Sergej weinte wie ein Kind, erzählten meine Großeltern, wie groß seine Seelennot

Wie traurig er war, dass Matthias tot, dass alles ohne Hoffnung

 

Er hatte nur zwei Stunden Zeit

Dann musste er zum Hatzfelder Bahnhof zurück

Wo seine Truppe weitergefahren, Richtung Front, zur Sommerzeit

Er versprach, wenn er überlebt, kommt er bestimmt nochmals zurück

 

„Ich komme wieder, wenn der Himmel es will!“ Bis zu ihrem Tod warteten sie

Meine Großeltern, auf Matthias und Sergej, Deutscher, Russe, Opfer ohne Hoffnung

Und die Menschen haben bis heute nichts dazugelernt, welch Trauersymphonie

Unschuldige der Machtgier geopfert, Millionen junge Leben, einst voller Hoffnung

 

Matthias und Sergej, getötet als Unschuldige, wie dies auch heute noch geschieht 

  

„Wenn ich überlebe, komme ich wieder“, sagte Sergej und zog weiter

In diesen sinnlosen Krieg. Er kam nie wieder

Meine Großeltern weinten, bis zu ihrem letzten Atemzug, 50 Jahre lang

Um ihren Sohn Matthias und um Sergej

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                   03.07.2025

 

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