Foto:©Elisabeth Anton
Die unschuldigen Opfer der Machtgier, Matthias und Sergej
Sie waren zwei Soldaten, gegen Krieg, gegen Töten, Zerstörung
An der Front, im 2. WK, sollten sie sich gegenseitig hinrichten
Der Zufall wollte es, dass sie es nicht getan, sie lebten Hoffnung
Einen Augenblick, genau diesen Augenblick, beide aufs Schießen verzichten
Beide rutschten in den Frontgraben
Matthias, einst Zimmermann, der Bruder meiner Mutter, aus dem Banat
Sergej, ein russischer Soldat, Ingenieur, beide Angst haben
Sind gegen Krieg. Krieg, in vollen Zügen, wohl eine Schicksalstat
Sie tauschten Namen, Adressen, Wohnort
Sie waren sich als Mensch so nah
In diesem Schützengraben, welch Zufallsort
Dass sie sich begegnet. Schossen beide nicht, ein Wunder geschah
Dann, dann trennten sich ihre Wege, sie versprachen sich
Wenn sie überleben, werden sie sich suchen
Ihre Muttersprache so verschieden, Sergej sprach Deutsch, merkwürdig
Wie nah sie sich waren, versprachen sich, nach dem Krieg zu suchen
Wochen vergingen, jeder kämpfte an seiner Front
Ziele änderten sich, Matthias musste weiterziehen
So fern, in der Heimat, seine Liebe wohnt
Seine Gedanken oft zu ihr hinziehen
Das Töten, die Zerstörungen, welch Grausamkeit
In einem Krieg, der niemals Sieger kennt
Auf dem Weg durch Krieg und Töten, ward sie beendet, Matthias´ Zeit
Erschossen, er, seine fünf Freunde, Straße von Glamok. Kreuze? Keine Namen nennt
Sergejs Weg führte ihn in eine andere Richtung
Durchs damalige Jugoslawien, durch Hatzfeld
Wo er die Adresse von Matthias gesucht. Welch Begegnung
Dessen Eltern ihm sagen mussten, dass er erschossen, jetzt in der Sternenwelt
Er wusste nicht, dass sein Freund erschossen, tot
Fremde Menschen weinten in herzlicher Umarmung
Sergej weinte wie ein Kind, erzählten meine Großeltern, wie groß seine Seelennot
Wie traurig er war, dass Matthias tot, dass alles ohne Hoffnung
Er hatte nur zwei Stunden Zeit
Dann musste er zum Hatzfelder Bahnhof zurück
Wo seine Truppe weitergefahren, Richtung Front, zur Sommerzeit
Er versprach, wenn er überlebt, kommt er bestimmt nochmals zurück
„Ich komme wieder, wenn der Himmel es will!“ Bis zu ihrem Tod warteten sie
Meine Großeltern, auf Matthias und Sergej, Deutscher, Russe, Opfer ohne Hoffnung
Und die Menschen haben bis heute nichts dazugelernt, welch Trauersymphonie
Unschuldige der Machtgier geopfert, Millionen junge Leben, einst voller Hoffnung
Matthias und Sergej, getötet als Unschuldige, wie dies auch heute noch geschieht
„Wenn ich überlebe, komme ich wieder“, sagte Sergej und zog weiter
In diesen sinnlosen Krieg. Er kam nie wieder
Meine Großeltern weinten, bis zu ihrem letzten Atemzug, 50 Jahre lang
Um ihren Sohn Matthias und um Sergej
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
03.07.2025
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