Montag, 18. Juni 2018

Die letzte Rose...


















Die letzte Rose…                                                                                         

Ich sitze hier, drehe meinen Erinnerungsknopf auf Hatzfeld
Auf eine Zeit, als das Leben so wertvoll, weil mitten in der Natur
Ich sehe es heute noch vor mir, das reiche, weite Feld
Weizenwogen tanzten im Wind, als ob gezogen an einer Schnur

Am Feldrand blühen jetzt bestimmt die „Pipatsche“. Es ist Sommerzeit
Im Garten zitterten die Gemüsepflänzlein, im leisen Abendwind
So still, die Nächte in meiner Heimat, so voller Geborgenheit
Wir zählten Sterne, bewunderten den Großen Wagen. Glücklich, das Kind

Ich höre ihn heute noch aufs Feld hinausfahren
Den alten Pferdewagen – bei Regen, Sturm, Sonne oder Wind
Man schuftete tagein, tagaus, sich bewusst mancher Gefahren
Welch wunderschöne Zeit damals, als ich noch ein Kind

Ein Leben in und mit der Natur. Mitten durchs Blumenmeer
Trugen mich meine Schritte – ob zur Schule oder Gassenspiel
Ein Farbenmeer küsste jeden Morgen meinen Blick. Heute, blumenleer
Und die Frage: Wer bestimmte wohl Weg, wer Zeit, wer das Ziel

Unsere Ahnen kamen, vor fünf Generationen, voller Hoffnung in dieses Land
Auch sie, damals, von irgendeinem Schicksalsschritt getrieben
Jahrhunderte seit Ansiedlung… Ich reiche Heimat, zum letzten Mal, meine Hand
Weil auf meinem Wegschild, mit verzweifelten Buchstaben, „Aussiedlung“ geschrieben

Damals gab es nur „Bleiben“ oder „Gehen“
Der Traum nach Freiheit hat mich in diese Richtung geschickt
Heute? Heute darf ich nachdenkend vor manchen Erinnerungen stehen
Ein seltsames Bild vor mir: Noch einmal nach der letzten Rose mich gebückt…

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
   18.05.2007




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