Mittwoch, 6. März 2019

Halb voll, nicht halb leer...

















Halb voll, nicht halb leer…



                       

Schon spät die Nacht, fast schon Mitternacht

Sie lehnt vor den mit Eisblumen bemalten Fensterscheiben

An Leben und Tod, Freud und Leid sie gedacht

An die Liebe, das Leben – ob Gehen, ob Bleiben



Im Spiegel nebenan, sah sie ihr Gesicht

Seit Jahren da nicht mehr hineingeschaut

Dass ihre Schläfen weiß geworden, das stört sie nicht

Manch Erinnerung ihr so nah, so vertraut



Sie sieht die Falten in ihrem Gesicht

Als Blumenkränze ihres Lebens

Stören? Nein, die Falten stören sie nicht

Wie schwer auch mancher Weg, keiner vergebens



Im Licht des Mondes denkt sie an ihr Glück

Damals, der erste Kuss zur Jugendzeit

Ihre Tränen begleiten sie, auf dieser Reise ins Zurück

Wo ihre große Liebe sie gefunden, ihre glücklichste Zeit



Sanft streichelt sie diese Eisblumenpracht

Stumm und leise fallen Tränen auf ihre Hand

Seit vielen Jahren hat sie nicht mehr gelacht

Ihn nicht mehr gespürt, den warmen Meeressand



Sie schaut hinaus in die Dunkelheit der Nacht

Ihre Tränen frieren zu einem Eisblumenmeer

Der Liebe edelste, schönste, reichste Seelenmacht

Ließ ihr Glas halb voll, nicht halb leer…



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

           04.03.2019

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