Halb voll, nicht halb
leer…
Schon spät die Nacht, fast schon Mitternacht
Sie lehnt vor den mit Eisblumen bemalten Fensterscheiben
An Leben und Tod, Freud und Leid sie gedacht
An die Liebe, das Leben – ob Gehen, ob Bleiben
Im Spiegel nebenan, sah sie ihr Gesicht
Seit Jahren da nicht mehr hineingeschaut
Dass ihre Schläfen weiß geworden, das stört sie nicht
Manch Erinnerung ihr so nah, so vertraut
Sie sieht die Falten in ihrem Gesicht
Als Blumenkränze ihres Lebens
Stören? Nein, die Falten stören sie nicht
Wie schwer auch mancher Weg, keiner vergebens
Im Licht des Mondes denkt sie an ihr Glück
Damals, der erste Kuss zur Jugendzeit
Ihre Tränen begleiten sie, auf dieser Reise ins Zurück
Wo ihre große Liebe sie gefunden, ihre glücklichste Zeit
Sanft streichelt sie diese Eisblumenpracht
Stumm und leise fallen Tränen auf ihre Hand
Seit vielen Jahren hat sie nicht mehr gelacht
Ihn nicht mehr gespürt, den warmen Meeressand
Sie schaut hinaus in die Dunkelheit der Nacht
Ihre Tränen frieren zu einem Eisblumenmeer
Der Liebe edelste, schönste, reichste Seelenmacht
Ließ ihr Glas halb voll, nicht halb leer…
©Elisabeth Anton,
Speyer / Hatzfeld
04.03.2019
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