Samstag, 23. März 2019

Heimatlicher Wohlstand...




















Heimatlicher Wohlstand…                                                                   




Ich schließe die Augen, sehe den Hühnerhof vor mir

Alle haben sich satt gefressen, die Schweine auch

Der Hund wedelt vor Freude, die Katze lehnt an der Küchentür

Alles so wundervoll. Aus dem Rauchfang steigt Silberrauch



Wenn der Frühling seine Schönheiten streut

Über Wiesen, Gassen, Gärten, Felder von Hatzfeld

Blüht bald alles in herrlichsten Farben, der Mensch sich freut

Trage sie tief in meiner Erinnerung, meiner Heimat Frühlingswelt



Überall Knospen, die Gräser, die Getreidehalme sprießen

Bald stehen die Baumkronen da, wie farbenfrohes Hochzeitskleid

Nach plätscherndem Regen, viele Rinnsale in den Graben fließen

Menschen, Pflanzen, Tiere zeigen, dass es Frühlingszeit



Im Garten, die Gemüsebeete ihre schönsten Bilder malen

Alles wird wachsen - prächtig, farbenbunt gedeihen

Damals hat man Natur gelebt, nicht statistische Zahlen

Wenn grad was gefehlt, konnte dein Nachbar dir ausleihen



Alles wie eine große Gemeinschaft, man war nicht allein

Wenn mal Not am Mann, waren Nachbarn immer da

Ob schwere Arbeiten, Krankheits- oder Todesfall, keiner war allein

Stets kostenlos hilfsbereit, wenn in der Nachbarschaft mal was geschah



Es gab auch Ausnahmen, die wird es immer und überall geben

Eine Welt, geprägt von gütigem Zusammenleben, zu jeder Jahreszeit

Es war so anders. Es war ein glückliches Nehmen und Geben

Keiner hat auf die Waagschale gelegt, geschaut zu welcher Uhrzeit



Wenn der Nachbar gerufen, war man stets zur Stelle

Das Gefühl, niemals allein zu sein, das war heimatlicher Wohlstand

Man tratschte beim artesischen Brunnen, dieser göttlichen Quelle

Reich waren wir, wenn zum Gruß man gereicht die Hand



Ich vermisse sie, diese Welt mitten in der Natur, Nachbarschaft

Diese Menschen, die es immer ehrlich und offen gemeint

Heimat! Deine Stunden kannten noch ehrliche Freundschaft

Und wenn ein Nachbar gestorben, wurde noch aus Trauer geweint



Wenn einer krank oder alt, kam immer irgendein Nachbar vorbei

Ob Holz in die Küche zu tragen oder was mitzubringen aus der Stadt

Hier lebten noch Menschen, denen ihre Nachbarn nicht einerlei
Diese Erinnerungen zeigen mir, bis heute, den edlen Wert von Heimat

Was freuten sich die Alten, wenn man sie nach ihrem Befinden gefragt
Was richteten sie nicht, oft mit zitternder Hand, meine „Maschen“1 im Haar
Freude war zugegen, wenn man einfach nur „Grüß Gott“ gesagt
Ich vermisse diese Welt, die so reich an Menschlichkeit war

Hat einer sein Holz geschnitten, im Hof das Sägemehl verstreut
Waren Nachbarn da. Wir trugen als Kinder Holz und Kohle in den Schuppen
Jeder war zufrieden, hat sich einfach über den Alltag gefreut
Wenn im Winter der Ofen warm, spielten wir gerne mit „Kukruz“2 - Puppen

Welch Freude das war, kann man nicht beschreiben
Die Welt von heute versteht diese Naturwunder, Seelenfreude nicht
Dann kam die Zeit, da hieß es ganz einfach: Gehen oder Bleiben
Warum „diese Völkerwanderungen“ notwendig, weiß ich bis heute nicht

Warum konnten nicht „alle“ bleiben, warum mussten „sie“ gehen
Fragen um Fragen stelle ich mir sehr oft. Antwort bekomme ich nicht
Mit meinem Heimweh werde ich wohl immer vor diesem Rätsel stehen
Warum mussten „wir alle“ gehen? Warum blieben „wir“ nicht…?

Weil wir Freiheit ersehnt...

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
         02.03.2007

1. Schleifen aus Seidenbänder in den verschiedensten Farben. Sie wurden entweder nur als Schleife fast ans Ende des Haarzopfes gebunden oder schon beim letzten Stück mit eingeflochten und danach, als Abschluss noch eine Schleife obendrauf gebunden.

2. Mais. Man wählte die schönsten Maiskolben aus, löste die Lieschen bis oben an den Anwuchs, ohne sie zu entfernen. Diese wurden dann in ganz dünne Streifen gerissen, und das war dann „das Puppenhaar“. Daraus haben wir Zöpfe geflochten, einen Pony geschnitten oder sie auf Lockenwickler gewickelt, damit die Puppe auch mal gekraustes Haar hat. Der Maiskolben war also unsere Puppe. Da hat man dann auf der einen Seite Körner so entfernt, dass Augen, Nase, d. h. ein Gesicht entstanden ist. So haben wir als Kinder gespielt und wie groß war die Freude, wenn mal jemand sagte: „Na, deine Kukruz-Popp (Mais - Puppe) ist aber sehr schön.“ Solche Erinnerungen blieben, bis heute, tief in meinem Herzen, einfach unvergessen…

 






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