Ich schließe die Augen, sehe den Hühnerhof vor mir
Alle haben sich satt gefressen, die Schweine auch
Der Hund wedelt vor Freude, die Katze lehnt an der Küchentür
Alles so wundervoll. Aus dem Rauchfang steigt Silberrauch
Wenn der Frühling seine Schönheiten streut
Über Wiesen, Gassen, Gärten, Felder von Hatzfeld
Blüht bald alles in herrlichsten Farben, der Mensch sich freut
Trage sie tief in meiner Erinnerung, meiner Heimat Frühlingswelt
Überall Knospen, die Gräser, die Getreidehalme sprießen
Bald stehen die Baumkronen da, wie farbenfrohes Hochzeitskleid
Nach plätscherndem Regen, viele Rinnsale in den Graben fließen
Menschen, Pflanzen, Tiere zeigen, dass es Frühlingszeit
Im Garten, die Gemüsebeete ihre schönsten Bilder malen
Alles wird wachsen - prächtig, farbenbunt gedeihen
Damals hat man Natur gelebt, nicht statistische Zahlen
Wenn grad was gefehlt, konnte dein Nachbar dir ausleihen
Alles wie eine große Gemeinschaft, man war nicht allein
Wenn mal Not am Mann, waren Nachbarn immer da
Ob schwere Arbeiten, Krankheits- oder Todesfall, keiner war allein
Stets kostenlos hilfsbereit, wenn in der Nachbarschaft mal was geschah
Es gab auch Ausnahmen, die wird es immer und überall geben
Eine Welt, geprägt von gütigem Zusammenleben, zu jeder Jahreszeit
Es war so anders. Es war ein glückliches Nehmen und Geben
Keiner hat auf die Waagschale gelegt, geschaut zu welcher Uhrzeit
Wenn der Nachbar gerufen, war man stets zur Stelle
Das Gefühl, niemals allein zu sein, das war heimatlicher Wohlstand
Man tratschte beim artesischen Brunnen, dieser göttlichen Quelle
Reich waren wir, wenn zum Gruß man gereicht die Hand
Ich vermisse sie, diese Welt mitten in der Natur, Nachbarschaft
Diese Menschen, die es immer ehrlich und offen gemeint
Heimat! Deine Stunden kannten noch ehrliche Freundschaft
Und wenn ein Nachbar gestorben, wurde noch aus Trauer geweint
Wenn einer krank oder alt, kam immer irgendein Nachbar vorbei
Ob Holz in die Küche zu tragen oder was mitzubringen aus der Stadt
Hier lebten noch Menschen, denen ihre Nachbarn nicht einerlei
Diese Erinnerungen zeigen mir, bis heute, den edlen Wert von Heimat
Was freuten sich die Alten, wenn man sie nach ihrem Befinden gefragt
Was richteten sie nicht, oft mit zitternder Hand, meine „Maschen“1
im Haar
Freude war zugegen, wenn man einfach nur „Grüß Gott“ gesagt
Ich vermisse diese Welt, die so reich an Menschlichkeit war
Hat einer sein Holz geschnitten, im Hof das Sägemehl verstreut
Waren Nachbarn da. Wir trugen als Kinder Holz und Kohle in den Schuppen
Jeder war zufrieden, hat sich einfach über den Alltag gefreut
Wenn im Winter der Ofen warm, spielten wir gerne mit „Kukruz“2 -
Puppen
Welch Freude das war, kann man nicht beschreiben
Die Welt von heute versteht diese Naturwunder, Seelenfreude nicht
Dann kam die Zeit, da hieß es ganz einfach: Gehen oder Bleiben
Warum „diese Völkerwanderungen“ notwendig, weiß ich bis heute nicht
Warum konnten nicht „alle“ bleiben, warum mussten „sie“ gehen
Fragen um Fragen stelle ich mir sehr oft. Antwort bekomme ich nicht
Mit meinem Heimweh werde ich wohl immer vor diesem Rätsel stehen
Warum mussten „wir alle“ gehen? Warum blieben „wir“ nicht…?
Weil wir Freiheit ersehnt...
Weil wir Freiheit ersehnt...
©Elisabeth Anton, Speyer /
Hatzfeld
02.03.2007
1.
Schleifen aus Seidenbänder in den verschiedensten Farben. Sie wurden entweder
nur als Schleife fast ans Ende des Haarzopfes gebunden oder schon beim letzten
Stück mit eingeflochten und danach, als Abschluss noch eine Schleife obendrauf
gebunden.
2. Mais. Man wählte die schönsten
Maiskolben aus, löste die Lieschen bis oben an den Anwuchs, ohne sie zu
entfernen. Diese wurden dann in ganz dünne Streifen gerissen, und das war dann
„das Puppenhaar“. Daraus haben wir Zöpfe geflochten, einen Pony geschnitten
oder sie auf Lockenwickler gewickelt, damit die Puppe auch mal gekraustes Haar
hat. Der Maiskolben war also unsere Puppe. Da hat man dann auf der einen Seite
Körner so entfernt, dass Augen, Nase, d. h. ein Gesicht entstanden ist. So
haben wir als Kinder gespielt und wie groß war die Freude, wenn mal jemand
sagte: „Na, deine Kukruz-Popp (Mais - Puppe) ist aber sehr schön.“ Solche
Erinnerungen blieben, bis heute, tief in meinem Herzen, einfach unvergessen…

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen