Schwanger, das waren SIE
„nebenbei“…
Wenn ich die heutige Generation
so jammern höre
Dass schon der kleinste Vorfall
eine Riesenbelastung
Schweiß mal tropfend auf der
Stirn. Ich zerstöre
Damit dieses Bild von Fleiß
und Schuften, Arbeit und Hoffnung
Die müssen sich mal an
stundenlanges Rackern gewöhnen
Mal ihren Tag auf
viel mehr Stunden Arbeit ausdehnen
Bei kleinster Anstrengung,
die meisten schon unter Atemnot stöhnen
Und sich nach Wochenende und
Partys sehnen
Was sagt ihr denn zu den
Frauen, damals auf dem Feld
Die einst, nach dem Krieg,
geschuftet für den heutigen Wohlstand
Schwanger, das war die Frau
damals „nebenbei“, nicht als Held
Und ging es ihr mal schlecht,
ruhte sie ein Weilchen aus, am Ackerrand
Frauen schufteten auf dem
Feld, mit ihrem Kind unter dem Herzen
Da fragte keiner: „Warst du
schon bei der Schwangerschaftsgymnastik?“
Sie begannen bei
Sonnenaufgang – ob Freude, ob Schmerzen
Und sie fielen ins Bett, mit „ihrem
Bauch“ voller Ästhetik
Nur, nur sahen sie in der
Fülle ihrer Pflichten nicht
Wie schön sie als Frau, als
werdende Mutter, mit ihrem Kind
Sie schufteten von früh bis
spät, oft begleitet vom Mondlicht
Stress, ein Fremdwort. Dankbar,
wenn der Schweiß getrocknet vom Wind
Damals schufteten auch die
Frauen, für den heutigen Wohlstand
Ob in Fabriken, auf
Bauernhöfen, auf dem Feld, am eigenen Herd
Da gab es weder Fußpflege
noch Maniküre für die Schwielen an der Hand
Damals waren Arbeit, Fleiß,
Pflichterfüllung von edelstem Wert
Die werdende Mutter, auch sie
schuftete auf dem Feld
Ob es nasskalt oder heiß,
wenn manch strömender Regen sie berührt
Damals, was hat sie
geschuftet, gerackert, für ihrer Kinder glückliche Welt
Und hat, neben Feldarbeit,
noch den Haushalt geführt
Und die Kinder? Sie wurden groß
in dieser Welt
Wo sie gelernt, dass harte Arbeit,
Fleiß und Ehrlichkeit das Leben
Sie haben keine Fragen nach
Stress oder Luxusgüter gestellt
Aber wohl erlebt, dass es
Reiche und Arme kann geben
Die Menschen waren noch dankbar
und zufrieden
Sie spürten noch den Wert von
Menschsein und Ehrlichkeit
Da freute man sich noch, dass
Kartoffel auf dem Herd sieden
Diese Delikatesse für die
Abendmahlzeit
Kinder mussten satt, ehrlich,
sauber, fleißig, einfach gekleidet sein
Das war das Ziel, damit der
Tisch nicht ganz leer, nur ein Ei
Und dennoch, bei all dieser
Armut konnten die Menschen zufrieden sein
Stress? Die Frauen arbeiteten
auf dem Feld. Schwanger, das waren sie „nebenbei“
Ich verneige mich in Ehrfurcht,
vor dieser Generation…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
07.02.2009
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