Freitag, 5. Juli 2019

Mein Heimweh - welch Macht, welch eigene Welt

















Mein Heimweh – welch Macht, welch eigene Welt                        


Wenn ich Sonntagmorgen die Stille genieße
Ziehen meine Gedanken Richtung Hatzfeld
Wie ich nie einer Blume befehlen kann „Sprieße!“
Kann ich sie nicht ändern, meines Heimwehs eigene Welt

Wenn meine Gedanken Richtung Heimat ziehen
Und das Herz spürt die Sehnsucht nach Zuhaus´
Brauch ich meine Gedanken nicht zu bemühen
Sie eilen allein, weit in die Welt hinaus

Sie haben auf ihrem Weg nur ein Ziel
Wissen, wo die Kirche vor dem Hl. Florian steht
Wo einst so fröhlich der Kinder allabendliches Gassenspiel
Mein Heimweh, in Windeseile nach Hause geht

Mein Heimweh hat seine Macht, seine eigene Welt
Es kennt die Sehnsucht mit ihren Tränen
In Gedanken bin ich zuhause, zuhause in Hatzfeld
Meine Erinnerungen Bilder mancher Stunden erwähnen

Ich sehe mich im Garten vor dem Maulwurfhügel stehen
So unwissend, als Kind, dass er meine Anwesenheit spürt
Egal wie leise ich es versuchte, über den Weg zu gehen
Er kennt seine Erde, wenn mein Schritt den Boden berührt

Ich stehe im Garten vor dem blühenden Mohn
Jedes Jahr stand er dort, an einer anderen Stelle
Sehe die Tränen mancher Mutter, um ihren gefallenen Sohn
Mohn und Kriegsfront – unheilbaren Leides schweigende Quelle

Vom Mohn gehörte uns seine Blütenzauberpracht
Es gab Weihnachten Mohnstrudel, Mohnnudeln. An mehr, keiner gedacht
Für uns war Mohn, ganz einfach, nur eine Nahrungsmittelmacht
Der man sich ehrfurchtsvoll verneigt. In Maßen ist er eine reiche Pracht

Gurken, Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Mais und der Kirschbaum
Petersilie, Karotten, Knoblauch, Erbsen, Erdbeeren, Himbeerstrauch
Alles zusammen – ein wundervoller, unvergesslicher Gartentraum
Der uns Nahrung geschenkt, genau wie der Mohn als Weihnachtsbrauch

Welch Wunder der Natur in unserem Garten stand
Wo jeder geschuftet, stolz ward auf seinen Garten
Am Ende sah man die Arbeit manch fleißiger Hand
Durfte man doch freudestrahlend auf die Ernte warten

Es war eine Welt, die im „Westen“ keiner versteht
Weil er nie gelebt, irgendwie, wirklich zuhause zu sein
In Hatzfeld man als Fremder in der eigenen Heimat steht
Und in der Fremde, als „Heimkehrer“, auch mit sich allein

Das Rad der Geschichte wohl an der Zeit gedreht
Was im Buche geschrieben, stammt von Menschenhand
Manche Nation, den Weg des ewigen Wanderns durchgeht
Und manch einer weiß nie, wo sein Heimatland

Wie Ebbe und Flut war der Weg unserer Ahnen
Sie waren Marionetten der Geschichte Zeitenraum
Sie schafften es, meiner Heimat den Weg zum Reichtum zu bahnen
Sie mussten irgendwann kommen, wir irgendwann gehen. Man glaubt es kaum

Ein stetes Wandern, über viele Generationen
Am Ende steht immer der Mensch. Wo ist seine Verantwortung
Ich entschied mich noch nie für Titel, roten Teppich, Funktion
Meiner Heimat Geborgenheit wählte ich aus, als bleibende Erinnerung

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
               20.07.2003







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