Mein Heimweh – welch Macht, welch eigene
Welt
Wenn ich
Sonntagmorgen die Stille genieße
Ziehen meine
Gedanken Richtung Hatzfeld
Wie ich nie
einer Blume befehlen kann „Sprieße!“
Kann ich sie
nicht ändern, meines Heimwehs eigene Welt
Wenn meine Gedanken
Richtung Heimat ziehen
Und das Herz
spürt die Sehnsucht nach Zuhaus´
Brauch ich
meine Gedanken nicht zu bemühen
Sie eilen
allein, weit in die Welt hinaus
Sie haben auf
ihrem Weg nur ein Ziel
Wissen, wo die
Kirche vor dem Hl. Florian steht
Wo einst so
fröhlich der Kinder allabendliches Gassenspiel
Mein Heimweh,
in Windeseile nach Hause geht
Mein Heimweh
hat seine Macht, seine eigene Welt
Es kennt die
Sehnsucht mit ihren Tränen
In Gedanken bin
ich zuhause, zuhause in Hatzfeld
Meine
Erinnerungen Bilder mancher Stunden erwähnen
Ich sehe mich
im Garten vor dem Maulwurfhügel stehen
So unwissend,
als Kind, dass er meine Anwesenheit spürt
Egal wie leise
ich es versuchte, über den Weg zu gehen
Er kennt seine
Erde, wenn mein Schritt den Boden berührt
Ich stehe im
Garten vor dem blühenden Mohn
Jedes Jahr
stand er dort, an einer anderen Stelle
Sehe die Tränen
mancher Mutter, um ihren gefallenen Sohn
Mohn und
Kriegsfront – unheilbaren Leides schweigende Quelle
Vom Mohn
gehörte uns seine Blütenzauberpracht
Es gab Weihnachten
Mohnstrudel, Mohnnudeln. An mehr, keiner gedacht
Für uns war
Mohn, ganz einfach, nur eine Nahrungsmittelmacht
Der man sich
ehrfurchtsvoll verneigt. In Maßen ist er eine reiche Pracht
Gurken, Tomaten,
Zwiebeln, Paprika, Mais und der Kirschbaum
Petersilie,
Karotten, Knoblauch, Erbsen, Erdbeeren, Himbeerstrauch
Alles zusammen
– ein wundervoller, unvergesslicher Gartentraum
Der uns Nahrung
geschenkt, genau wie der Mohn als Weihnachtsbrauch
Welch Wunder
der Natur in unserem Garten stand
Wo jeder
geschuftet, stolz ward auf seinen Garten
Am Ende sah man
die Arbeit manch fleißiger Hand
Durfte man doch
freudestrahlend auf die Ernte warten
Es war eine
Welt, die im „Westen“ keiner versteht
Weil er nie
gelebt, irgendwie, wirklich zuhause zu sein
In Hatzfeld man als Fremder in der eigenen Heimat steht
Und in der
Fremde, als „Heimkehrer“, auch mit sich allein
Das Rad der
Geschichte wohl an der Zeit gedreht
Was im Buche
geschrieben, stammt von Menschenhand
Manche Nation,
den Weg des ewigen Wanderns durchgeht
Und manch einer
weiß nie, wo sein Heimatland
Wie Ebbe und
Flut war der Weg unserer Ahnen
Sie waren
Marionetten der Geschichte Zeitenraum
Sie schafften
es, meiner Heimat den Weg zum Reichtum zu bahnen
Sie mussten
irgendwann kommen, wir irgendwann gehen. Man glaubt es kaum
Ein stetes
Wandern, über viele Generationen
Am Ende steht
immer der Mensch. Wo ist seine Verantwortung
Ich entschied
mich noch nie für Titel, roten Teppich, Funktion
Meiner Heimat
Geborgenheit wählte ich aus, als bleibende Erinnerung
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
20.07.2003

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