Donnerstag, 11. Juli 2019

Regentropfen...


 















Regentropfen…                            

Heimaterinnerungen





Regentropfen fallen, in aller Stille, vom Himmel

Des Frühlings Grün – ein Paradies von Fülle und Traum

In Gedanken sehe ich den Fiaker, mit seinem Schimmel

Schon viele Jahrzehnte her, man glaubt es kaum



Ich sehe mich im „Gassetierche“ sitzen

Als ich noch ein Kind – fröhlich und unbesorgt

Zog mir den Rock über die kalten Knie, sie zu erhitzen

Welch schöner bunter Rock. Er war nicht geborgt



Mutti hat ihn mir genäht - aus ihrem alten Kleid

Ich erinnere mich genau, wie schön sie einst war

Manch einer zeigte schon mal Neid

Aber meine Mutti, für mich, die Allerschönste war



Still fällt draußen der Regen, wie bestellt

Um des Frühlings Saaten zum Reichtum zu führen

Meine Gedanken haben mal wieder Hatzfeld gewählt

Du, meine Heimat, Erinnerungen mich zutiefst berühren



Bestimmt singt der Regen draußen nur für mich ganz allein

Schließe die Augen, höre ihn in der Spengelgass´ auf die Reben fallen

In Gedanken bin ich zuhause. Heimweh kann grausamer als Durst sein

Bei Durst lutsche ich einen Grashalm, die Halme aus dem Strohballen



Ich muss nur meine Augen schließen, schon sehe ich dich

Deine Gassen, deine Häuser, die Baumalleen, deine Einzigartigkeit

Ich sehe Menschen, die meine Freunde – hilfsbereit und ehrlich

Vor meinen Augen zieht sie vorbei – der Erinnerung goldene Zeit



Ich höre, wie der Regen auf die Traubenblätter fällt

Und leise anklopft, an der Veranda Fensterscheiben

Ich sehe die Morgensonne, als ob nur für Hatzfeld bestellt

Tränen quellen hervor, ich muss mir die Augen reiben



Damit ich das Tränenmeer ersticken kann

Weil es endlos fließt, wie der Strom zum Meer

Ich sehe manches Kind, Frau, manch alten Mann

Zum Brunnen gehen, „die Gieß“ noch leer



Alle trugen sie, mit Händen, ihr Wasser vom artesischen Brunnen nach Haus

Weil es damals, vor sehr langer Zeit, nur diese eine Möglichkeit

Da konnte man erzählen, erfuhr manche Neuigkeit, war weg von Zuhaus

Wenn nach dem Mittag- oder Abendessen „die Abwäschzeit“



Da „drückte“ man sich gern, als man noch Kind

Nahm „die Gieß“ und lief damit zur „Neuen Bahn“

Ob es heiß, kalt, eisig oder stürmischer Wind

Da war es immer schön, am alten Brunnen an der „Neuen Bahn“



Auf dem Weg dorthin, da war manches zu sehen

An der Kaul vorbei, barfuß durch „Kaulewasser“ und Lehm

Jeden Tag musste ich diesen Weg gehen

Wenn auch das Wasserholen nicht immer bequem



Beim Spielen vergaß man es oft, wollte weiterspielen

Aber Wasser musste stets geholt werden, jeden Tag

Wie tief manch schöne Erinnerungen ins Gemüt ziehen

Wie doch so reich deine Welt, Hatzfeld. Wie sehr ich dich mag



Draußen regnet es weiter. Leise, still, diese Regentropfen

Als streicheln sie jedes Blatt am alten Kirschbaum

Ich höre sie, in der Spenglgass ans Fenster klopfen

Und muss ihn beenden, meinen Erinnerungstraum



Höre die Tauben gurren, nachdem der Regen aufgehört

Sehe, wie die Hühner, Enten, Gänse vorsichtig den nassen Hof betreten

Suchen nach Würmern, Käfer auf dem Misthaufen. Regen hat ihr Rufen erhört

Er war für alle und jeden eine Wohltat. Als Dank, wollte man beten



Es war noch eine Welt der menschlichen Geschicklichkeit

Moderne Technik noch fremd, eigene Methoden erfunden. Heimatwelt

Man hat die Natur genutzt, gelebt ihrer Kräfte Schönheit

Sie waren so schön, unvergessen, meine Jahrzehnte in Hatzfeld



Ich danke euch, ihr stillen Regentropfen

Weil ihr mein Gefühl von Heimat so tief berührt

Wie schön es war, Tag und Jahr, wenn am Fenster die Regentropfen

Mich noch heute erinnern, wo ich einst glücklich, daheim, wo ich Zuhause gespürt



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                10.05.2003


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