Regentropfen…
Heimaterinnerungen
Regentropfen
fallen, in aller Stille, vom Himmel
Des Frühlings
Grün – ein Paradies von Fülle und Traum
In Gedanken
sehe ich den Fiaker, mit seinem Schimmel
Schon viele
Jahrzehnte her, man glaubt es kaum
Ich sehe mich
im „Gassetierche“ sitzen
Als ich noch
ein Kind – fröhlich und unbesorgt
Zog mir den
Rock über die kalten Knie, sie zu erhitzen
Welch schöner
bunter Rock. Er war nicht geborgt
Mutti hat ihn
mir genäht - aus ihrem alten Kleid
Ich erinnere
mich genau, wie schön sie einst war
Manch einer
zeigte schon mal Neid
Aber meine
Mutti, für mich, die Allerschönste war
Still fällt
draußen der Regen, wie bestellt
Um des Frühlings
Saaten zum Reichtum zu führen
Meine Gedanken
haben mal wieder Hatzfeld gewählt
Du, meine
Heimat, Erinnerungen mich zutiefst berühren
Bestimmt singt
der Regen draußen nur für mich ganz allein
Schließe die
Augen, höre ihn in der Spengelgass´ auf die Reben fallen
In Gedanken bin
ich zuhause. Heimweh kann grausamer als Durst sein
Bei Durst
lutsche ich einen Grashalm, die Halme aus dem Strohballen
Ich muss nur
meine Augen schließen, schon sehe ich dich
Deine Gassen, deine
Häuser, die Baumalleen, deine Einzigartigkeit
Ich sehe
Menschen, die meine Freunde – hilfsbereit und ehrlich
Vor meinen
Augen zieht sie vorbei – der Erinnerung goldene Zeit
Ich höre, wie der
Regen auf die Traubenblätter fällt
Und leise
anklopft, an der Veranda Fensterscheiben
Ich sehe die
Morgensonne, als ob nur für Hatzfeld bestellt
Tränen quellen
hervor, ich muss mir die Augen reiben
Damit ich das
Tränenmeer ersticken kann
Weil es endlos
fließt, wie der Strom zum Meer
Ich sehe
manches Kind, Frau, manch alten Mann
Zum Brunnen
gehen, „die Gieß“ noch leer
Alle trugen
sie, mit Händen, ihr Wasser vom artesischen Brunnen nach Haus
Weil es damals,
vor sehr langer Zeit, nur diese eine Möglichkeit
Da konnte man
erzählen, erfuhr manche Neuigkeit, war weg von Zuhaus
Wenn nach dem
Mittag- oder Abendessen „die Abwäschzeit“
Da „drückte“
man sich gern, als man noch Kind
Nahm „die Gieß“
und lief damit zur „Neuen Bahn“
Ob es heiß,
kalt, eisig oder stürmischer Wind
Da war es immer
schön, am alten Brunnen an der „Neuen Bahn“
Auf dem Weg
dorthin, da war manches zu sehen
An der Kaul
vorbei, barfuß durch „Kaulewasser“ und Lehm
Jeden Tag
musste ich diesen Weg gehen
Wenn auch das
Wasserholen nicht immer bequem
Beim Spielen
vergaß man es oft, wollte weiterspielen
Aber Wasser
musste stets geholt werden, jeden Tag
Wie tief manch
schöne Erinnerungen ins Gemüt ziehen
Wie doch so
reich deine Welt, Hatzfeld. Wie sehr ich dich mag
Draußen regnet
es weiter. Leise, still, diese Regentropfen
Als streicheln
sie jedes Blatt am alten Kirschbaum
Ich höre sie,
in der Spenglgass ans Fenster klopfen
Und muss ihn
beenden, meinen Erinnerungstraum
Höre die Tauben
gurren, nachdem der Regen aufgehört
Sehe, wie die
Hühner, Enten, Gänse vorsichtig den nassen Hof betreten
Suchen nach
Würmern, Käfer auf dem Misthaufen. Regen hat ihr Rufen erhört
Er war für alle
und jeden eine Wohltat. Als Dank, wollte man beten
Es war noch
eine Welt der menschlichen Geschicklichkeit
Moderne Technik
noch fremd, eigene Methoden erfunden. Heimatwelt
Man hat die
Natur genutzt, gelebt ihrer Kräfte Schönheit
Sie waren so
schön, unvergessen, meine Jahrzehnte in Hatzfeld
Ich danke euch,
ihr stillen Regentropfen
Weil ihr mein
Gefühl von Heimat so tief berührt
Wie schön es
war, Tag und Jahr, wenn am Fenster die Regentropfen
Mich noch heute
erinnern, wo ich einst glücklich, daheim, wo ich Zuhause gespürt
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
10.05.2003

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