Freitag, 12. Juli 2019

So war es einmal, damals in meiner Heimat

















So war es einmal, damals in meiner Heimat            





In Gedanken schweift mein Blick über deine Äcker

Träne um Träne streichelt mein Gesicht

Vor mir steht der uralte Wecker

Erinnerungen vergessen? Nein, das kann ich nicht



Ich kann sie nicht vergessen, der Heimatjahre schöne Zeit

Der Duft des Fliederbaumes am Gartenweg

Es war so schön - ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winterzeit

Für alle Sorgen gab es, immer, irgendeinen Weg



Da haben Nachbarn sich noch gekannt

Und wollten nicht stumm an dir vorbeigehen

Da reichte man sich zum Namenstagfeste noch die Hand

Feierte diesen Tag. Nach Belieben konnte jeder kommen und gehen



Jeder wusste, wann Josefi, Hans, Liss oder Kathrein

Deshalb wurden die Namenstage gefeiert

Man schloss sich nicht am Geburtstag ein

Zählte nicht, ob einer mehr oder weniger gefeiert



Jeder hat Kuchen gebacken, keine Einladung für die Gäste

Jeder kam, unaufgefordert, man freute sich. Tor, Gassentür weit auf

Man verschwieg nicht, wie hier im Westen, die Geburtstagsfeste

Und schloss nur „mit vorab geplantem Termin“ die Haustür auf



 Was waren das noch Zeiten, für manch einen unbegreiflich

Genau so auch mir geschehen, wenn Großmutter mir oft erzählt

Von ihrer Heimat, Leben auf dem Hof des Grafen. Wenn auch spärlich

Die Zahlungen gewesen, aber Hunger, Hunger hat niemanden gequält



Sie erzählte mir oft, voller Begeisterung

Von der Tenne, dem Mähdrescher, dem Obstbaumwald

Wie ein Märchen war für mich ihre Erinnerung

Und doch war ich, irgendwie, dieser Welt gegenüber kalt



Aber heute, heute kann ich sie mehr als gut verstehen

Wie wundervoll die Welt ihrer Kindheit war

Sie musste auch bittere Kriegsjahre überstehen

Kummer und Leid sie bedrückt. Schneeweiß ihr Haar



Und so wie „Großi“ damals, gedenke ich heute meiner Zeit

Und frage mich: Wie eiskalt ist doch diese unsere Welt

Krieg und Macht scheinen wichtig, nicht hungernder Kinder Geborgenheit

Wo ist diese Zeit, diese wundervollen Stunden, in meiner Heimat Hatzfeld...



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

            10.03.2003

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