Donnerstag, 18. Juli 2019

Vereist, versteinert, gestorben - alles, in unserem Zuhause


        















 Vereist, versteinert, gestorben – alles, in unserem Zuhause                    

                  Für Helmuth



Meine Erinnerung, sie öffnet ihre Türen

Ich blättere in dieser endlosen Trilogie

Augenblicke, Stunden, Jahre, sie küren

Was uns zutiefst berührt. Ich vergesse nie



Die große Liebe meines Lebens

Ich durfte ihr, deiner Liebe, begegnen

Im zarten Alter, dein Schatten vor mir. Nichts vergebens

Das Leben weiß, wann lässt es Sonne scheinen, stürmen, regnen



Unsere Jahrzehnte von Liebe und Glück gekrönt

Sie prägten all meine Jahre, mein Ich

Heute weiß ich: Das Leben hat uns verwöhnt

Auch wenn Schicksalsschläge kaum erträglich



Wem reiches, hehres Glück gegeben

Muss wissen: Jede Waage braucht, irgendwann, ihr Gegengewicht

Daher wohl, meine vielen Tränen im Leben

Wer Glück gelebt, muss auch weinen, lachen - wenn keine Sterne in Sicht



Jetzt, am Ende deines Lebens, deiner Zeit

Wo Alzheimer, dein Tod, der größte Schmerz für mich

Muss ich sehen, wie göttlich sie war, unsere Zweisamkeit

Wir lebten Glück am Gipfelkreuz, obwohl der Himmel traurig



Wir haben so viel Glück bekommen

Bis deine Alzheimer alles, restlos alles, zerstört

Selbst in dieser Zeit, hat das Glück uns in seine Arme genommen

All „deine Wünsche“, alle, es hat sie erhört



Am Ende, jetzt, ganz am Ende

Stehe ich weinend vor deinem Grab, allein

Erzähl dir von meinem Schmerz, wie kalt die Wände

Zuhause, „unser Zuhause“ - nun scheint es vereist, versteinert, gestorben zu sein…



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                26.01.2014




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