Samstag, 23. Mai 2020

Ich setze meine Prioritäten

















Foto:©Elisabeth Anton


Ich setze meine Prioritäten                                           

  Unsere Alzheimer–Zeit





Der Schmerz dieser Tragik, dieses tränenreiche Leben ohne Ziel

Sind stärker als der Wille, „Ordnung im Haus zu halten“

Die Zeit gemeinsam zu leben, für Nähe, Natur, Vorlesen, Spiel

Scheint mir wertvoller, auch wenn Meinungen sich spalten



Mich interessiert es schon lange nicht mehr

Was „andere“ über mich, meine Ordnung denken

Mich freut es, wenn „sein“, „ihr“ Alltag nicht öd und leer

Dahingehend muss ich der Beiden Wege, Stunden lenken



Was hilft es mir, aufgeräumt zu haben

Und diese Zeit steht dann nicht mehr „für uns“ bereit

Lieber schenke ich meinem Kind, Mann, wohltuende Lebensgaben

Sie leben sichtbare Freude, schenke ich ihnen all „meine Zeit“



Natürlich bedrückt sie mich, diese chaotische Unordnung

Weil ich so noch nie gelebt, gehaust, alles übersehen

Meine Kräfte auch begrenzt. Unbegrenzt meine Hoffnung

Doch auch ich kann nicht immer, allein, unbegrenzt für alles dastehen



Daher setzte ich mir klare Prioritäten

Was wirklich zählt, sind Glück und Freude gemeinsam gelebter Stunden

Diese Krankheit hat nun mal ihre grausamen Realitäten

Für mich zählt: Leben wie Balsam und Glück, für alle Wunden



So habe ich mich stets entschieden

Putzen, Aufräumen einzuschränken, auf minimale Notwendigkeit

Statt Wohnungsordnung lebe ich, tue alles, für beider Glück und Seelenfrieden

Ich schenke beiden meine Liebe, Nähe, Umarmung, meine ganze Lebenszeit



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                  09.01.2009      




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