Mittwoch, 20. Mai 2020

Schneeglöckchenzeit



















Foto:©Elisabeth Anton

Schneeglöckchenzeit            





Mein Heimweh mal wieder auf die Reise geht

Richtung Heimat, da, wo ich gespielt als Kind

Da, wo die Kirche vor dem Hl. Florian steht

Wo er umarmende Wohltat, der heimatliche Abendwind



Da, wo die Kapelle am Friedhofstor in Andacht schweigt

Da, wo noch Ehrfurcht und Freundschaft von edelstem Wert

Da, wo das Abendrot sich in Würde vor der Nacht verneigt

Da, wo noch das Reißig geknistert im uralten „Sparherd“



Da, wo die Schneeglöckchen mit ihren weißen Glocken läuten

Den Frühling verkünden, dass Leben da, auch unter Eis und Schnee

Da, wo die Schlangen sich nur im Märchen häuten

„Ich will nach Hause.“, flüstert mir mein Heimweh



Ich sehne mich nach heimatlichen Gassen, der Luft von Hatzfeld

Ich sehne mich in die Welt meiner Kindheit, meiner Jugend zurück

Ich habe Heimweh nach den Menschen, deren Wege Ehrlichkeit gewählt

Eine Welt so unantastbar, voller Anstand, Menschsein, gütigem Glück



Dann komme ich an, stehe in meinen Gassen von Hatzfeld

Ein Bild so fremd, ausgelöscht die Quellen jeder Erinnerung

Ich gehe auf den Friedhof, weit hinaus aufs Feld

Überall der Schrei meiner Heimat Vergänglichkeit, kaum Hoffnung



Überall längst verstorben, des Nachbarn´ Lächeln in seinem Gesicht

Alles Bilder, deren Farben wie abgeblättert für mich

Die Häusergiebel Opfer der Geschichte. Viele erkennt man nicht

Ein Bild von Wehmut, des Grauens, weil auch Heimat vergänglich



So fremde Bilder reihen sich vor meinen Augen ein

Nur hie und da noch ein Stück Heimat aus meiner Zeit

Beängstigend, wie vergänglich auch Heimat, Hatzfeld , kann sein

Tränen nehmen mir die Sicht. Eiskalt, skrupellos, die Vergänglichkeit



In den Gärten sieht man der Geschichte Veränderung

An den Gassenzäunen nur hie und da noch Schneeglöckchen stehen

Ihr weißes Kleid schenkte einst so viel Freude, der Natur Vollendung

Ein Schneeglöckchen blüht verborgen, ich will zu ihm gehen



Es steht allein, da, wo einst unser alter Brunnen stand

Es scheint, als hebt es sein weißes Haupt, um mir zu sagen

„Alles anders. Geh weiter. Reich deinen Erinnerungen die Hand

Und stelle sie nicht mehr, deine so schmerzenden Fragen.“



Schneeglöckchenzeit, in meiner Heimat Hatzfeld

Alles so fremd geworden, Opfer geschichtlicher Vergänglichkeit

Es schweigt und ruht, es winkt mir zu, das weite Feld

Ich habe Heimweh, hülle mich in verbliebene Heimatgeborgenheit



Dort, dort am alten Gassenzaun

Läutet das Schneeglöckchen wie damals, zu meiner Zeit

Heimweh, du zeigst mir, dass Heimat tief in meinem Herzen gelebter Traum

In Gedanken bin ich daheim, danke Schneeglöckchen für ihre Schönheit



Schneeglöckchen lege ich, in stillem Weinen, auf manches Grab

Bete Vaterunser für die Verstorbenen, für Heimat, für Hatzfeld

Heimweh, wie atmet er so königlich, dein edler Wanderstab

Führt er mich nach Hause, in meine Heimat, nachhause nach Hatzfeld



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 01.02.2009







         




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