Foto:©Elisabeth Anton
Schneeglöckchenzeit
Mein Heimweh mal wieder
auf die Reise geht
Richtung Heimat, da,
wo ich gespielt als Kind
Da, wo die Kirche
vor dem Hl. Florian steht
Wo er umarmende Wohltat,
der heimatliche Abendwind
Da, wo die Kapelle
am Friedhofstor in Andacht schweigt
Da, wo noch
Ehrfurcht und Freundschaft von edelstem Wert
Da, wo das Abendrot
sich in Würde vor der Nacht verneigt
Da, wo noch das
Reißig geknistert im uralten „Sparherd“
Da, wo die Schneeglöckchen
mit ihren weißen Glocken läuten
Den Frühling verkünden,
dass Leben da, auch unter Eis und Schnee
Da, wo die Schlangen
sich nur im Märchen häuten
„Ich will nach Hause.“,
flüstert mir mein Heimweh
Ich sehne mich nach
heimatlichen Gassen, der Luft von Hatzfeld
Ich sehne mich in die
Welt meiner Kindheit, meiner Jugend zurück
Ich habe Heimweh
nach den Menschen, deren Wege Ehrlichkeit gewählt
Eine Welt so
unantastbar, voller Anstand, Menschsein, gütigem Glück
Dann komme ich an, stehe
in meinen Gassen von Hatzfeld
Ein Bild so fremd, ausgelöscht
die Quellen jeder Erinnerung
Ich gehe auf den
Friedhof, weit hinaus aufs Feld
Überall der Schrei
meiner Heimat Vergänglichkeit, kaum Hoffnung
Überall längst verstorben,
des Nachbarn´ Lächeln in seinem Gesicht
Alles Bilder, deren
Farben wie abgeblättert für mich
Die Häusergiebel Opfer
der Geschichte. Viele erkennt man nicht
Ein Bild von Wehmut,
des Grauens, weil auch Heimat vergänglich
So fremde Bilder
reihen sich vor meinen Augen ein
Nur hie und da noch
ein Stück Heimat aus meiner Zeit
Beängstigend, wie
vergänglich auch Heimat, Hatzfeld , kann sein
Tränen nehmen mir
die Sicht. Eiskalt, skrupellos, die Vergänglichkeit
In den Gärten sieht
man der Geschichte Veränderung
An den Gassenzäunen
nur hie und da noch Schneeglöckchen stehen
Ihr weißes Kleid
schenkte einst so viel Freude, der Natur Vollendung
Ein Schneeglöckchen
blüht verborgen, ich will zu ihm gehen
Es steht allein, da,
wo einst unser alter Brunnen stand
Es scheint, als hebt
es sein weißes Haupt, um mir zu sagen
„Alles anders. Geh weiter.
Reich deinen Erinnerungen die Hand
Und stelle sie nicht
mehr, deine so schmerzenden Fragen.“
Schneeglöckchenzeit,
in meiner Heimat Hatzfeld
Alles so fremd
geworden, Opfer geschichtlicher Vergänglichkeit
Es schweigt und
ruht, es winkt mir zu, das weite Feld
Ich habe Heimweh, hülle
mich in verbliebene Heimatgeborgenheit
Dort, dort am alten
Gassenzaun
Läutet das Schneeglöckchen
wie damals, zu meiner Zeit
Heimweh, du zeigst mir,
dass Heimat tief in meinem Herzen gelebter Traum
In Gedanken bin ich
daheim, danke Schneeglöckchen für ihre Schönheit
Schneeglöckchen lege
ich, in stillem Weinen, auf manches Grab
Bete Vaterunser für
die Verstorbenen, für Heimat, für Hatzfeld
Heimweh, wie atmet er
so königlich, dein edler Wanderstab
Führt er mich nach Hause,
in meine Heimat, nachhause nach Hatzfeld
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
01.02.2009
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen