Foto:©Elisabeth Anton
Weil Freiheit ersehnt, Heimat opfern müssen
Schon lange
steht sie nicht mehr
Die uralte
Bank vor dem Haus
Zimmer,
Schuppen, Ställe, Dachboden – öd und leer
Bittere
Einsamkeit hat sie vertrieben, selbst die Maus
Morgens,
kein Knattern mehr an der Dachbodenaufgangstür
Wenn Großmutter
den großen Schlüssel umgedreht
Das Vieh
tanzte seine allmorgendliche Kür
Und wusste,
woher der Wind des guten Futters weht
Keiner mehr,
aus seiner Schürze sie streut
Die Maiskörner,
direkt Richtung Hühnerhaufen
Wie oft
habe ich es schon bereut
Dass Freiheit,
mit Liebe für sie, nicht zu kaufen
Ich liebte
sie, die Freiheit, schon als Kind
Diese grenzenlose
Freiheit, diese Weite ohne Ende
Wenn wir
täglich zum artesischen Brunnen sind
Sah ich
der Freiheit Welt, hoffte immer auf baldige Wende
Meine
Heimat, ich wollte meine Heimat nie verlassen
Ich konnte
es nicht mehr ertragen, nicht mehr mitansehen
Wie Heuchler
„Freiheit der Diktatur“ gelebt, noch fähig zu hassen
Weil sie
nicht berechtigt, in alle Häuser, Gedanken zu sehen
Ich sehe
sie bis heute noch, so glasklar vor mir
Diese Unterschiede
der Privilegien der Diktatur
Heuchler
waren frei – ob dort, ob hier
Sie zogen,
sie ziehen immer, mit des Windes Spur
Ich wollte
den Reichtum von Heimat, Nachbarn, Freunde, Elternhaus
Niemals
aufgeben. Es gab nur diesen einen Weg, für dieses Ziel
Heimat opfern,
es leeren, dein geliebtes Elternhaus
Dieser Weg,
so bitterschwer, er war kein Kinderspiel
Heimat opfern,
damit man sie leben kann, die Freiheit
Damals sie
nicht gekannt, der Freiheit Welten, Erfahrung
Sie war
nicht einfach, meiner Jahrzehnte Zeit
Heimat opfern
müssen, meines Traumes letzte Hoffnung
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
08.06.2020

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