Foto:©Elisabeth Anton
Alles nur noch Erinnerung
Keine Melone wird mehr, im tiefen Brunnenwasser, gekühlt
Keine Milchkanne hängt mehr, halb im Wasser, am Seil
Meinen Hutwettwind, seit langem nicht mehr gefühlt
Im alten Baumstamm klemmen weder Axt noch Keil
Die Bienen stürmen ihn nicht mehr, den Mahagonistrauch
Die Libellen, längst von den Mohnblüten davongeflogen
Aus dem alten Brotbackofen steigt kein Rauch
Keiner spannt mehr, voller Begeisterung, Pfeil und Bogen
Der große Amboss steht nicht mehr im Schuppen
Der schwere Hammer dazu, alles verschwunden
Keiner spielt mehr mit „Kukruz- Puppen“
Die Moderne längst auf leisen Sohlen Einzug gefunden
Im Hof quietscht kein Schroter mehr
Keine Gänse, Enten, watscheln mehr Richtung Kaul
Wo einst der Taubenschlag, alles öd und leer
Der Hund gähnt nicht mehr mit gespreiztem Maul
Keiner sammelt mehr Maulbeeren
Keiner bindet mehr seine Besen allein
Heimat, ich weiß, du kannst dich nicht wehren
Wenn Geschichte so grausam kann sein
Keiner putzt mehr, jeden Abend, seine Schuh
Keiner sammelt mehr die Kamillen mit dem alten Kamm
Die Moderne schaut den Leuten, die Leute der Moderne zu
Im Garten steht er nicht mehr, der alte Apfelbaumstamm
In der „Korwell“ kuscheln sich keine geschlüpften Küken mehr
Im Brotbackofen im Hof, da duftet schon lange kein Brot
Taubenschlag, Schweineställe verschwunden, alles leer
Heimat, mein Hatzfeld, welch bittere Seelennot
Diese Diktatur hat alles zunichte gemacht
Und den Rest übernahm der Mächtigen Völkerwanderung
Heimat, mit so viel Reichtum warst du einst bedacht
Daher auch so endlos reich, meine Erinnerung
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
06.09.2012
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