Mittwoch, 16. September 2020

Alles nur noch Erinnerung



 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Alles nur noch Erinnerung                               

 

Keine Melone wird mehr, im tiefen Brunnenwasser, gekühlt

Keine Milchkanne hängt mehr, halb im Wasser, am Seil

Meinen Hutwettwind, seit langem nicht mehr gefühlt

Im alten Baumstamm klemmen weder Axt noch Keil

 

Die Bienen stürmen ihn nicht mehr, den Mahagonistrauch

Die Libellen, längst von den Mohnblüten davongeflogen

Aus dem alten Brotbackofen steigt kein Rauch

Keiner spannt mehr, voller Begeisterung, Pfeil und Bogen

 

Der große Amboss steht nicht mehr im Schuppen

Der schwere Hammer dazu, alles verschwunden

Keiner spielt mehr mit „Kukruz- Puppen“

Die Moderne längst auf leisen Sohlen Einzug gefunden

 

Im Hof quietscht kein Schroter mehr

Keine Gänse, Enten, watscheln mehr Richtung Kaul

Wo einst der Taubenschlag, alles öd und leer

Der Hund gähnt nicht mehr mit gespreiztem Maul

 

Keiner sammelt mehr Maulbeeren

Keiner bindet mehr seine Besen allein

Heimat, ich weiß, du kannst dich nicht wehren

Wenn Geschichte so grausam kann sein

 

Keiner putzt mehr, jeden Abend, seine Schuh

Keiner sammelt mehr die Kamillen mit dem alten Kamm

Die Moderne schaut den Leuten, die Leute der Moderne zu

Im Garten steht er nicht mehr, der alte Apfelbaumstamm

 

In der „Korwell“ kuscheln sich keine geschlüpften Küken mehr

Im Brotbackofen im Hof, da duftet schon lange kein Brot

Taubenschlag, Schweineställe verschwunden, alles leer

Heimat, mein Hatzfeld, welch bittere Seelennot

 

Diese Diktatur hat alles zunichte gemacht

Und den Rest übernahm der Mächtigen Völkerwanderung

Heimat, mit so viel Reichtum warst du einst bedacht

Daher auch so endlos reich, meine Erinnerung

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                06.09.2012

 

 

 

 

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