Foto:©Elisabeth Anton
Gärten der Erinnerung
In den Gärten der Erinnerung blüht eine Blumenpracht
Die einzigartig in ihrem edlen Farbenkleid
Sie blüht am Morgen, im Regen und mitten in der Nacht
Es sind die Jahrzehnte zuhause, der Heimat goldene Zeit
Getragen von Erinnerung einmaliger Jahre, Stunden
Die es in einem Menschenleben nur einmal geben kann
Tränen der Freude, des Glücks, und unheilbare Wunden
Sind von damals geblieben, damals irgendwann
Blättere ich im Buche dieser Jahreszeiten
Sehe ich Hatzfeld in einem Blütentraum stehen
Farbenmeer im Frühling, im Sommer der Ernte reiche Gezeiten
Irgendwann die Störche kommen, dann des Herbstes Farben gehen
Ich sehe die beladenen Pferdewagen durch die Gassen fahren
Die friedliche Stille zur wundervollen Winterzeit
Ich sehe das Bild der Stadt sich ändern, seit vielen Jahren
Denke ich an Zuhause, an das Gefühl von Heimatgeborgenheit
Ich sehe im Ofen das Feuer lodernd brennen
Das Brot, wie es so glücklich dem Brotbackofen entnommen
Ich höre die Kinder ehrfurchtsvoll die Alten „Sie“ nennen
Und alle freuen sich, wenn endlich Besuch gekommen
Ich sehe die Kaul beim Treiß, den Strandkorb aus edlem Holz
Die ersten Knöpfe die „Hatzfelder Knopffabrik“ Richtung Welt verlassen
Ich sehe die fleißigen Hatzfelder. Ihr ganzer Stolz
Lässt Fremde beim Erkennen ihrer Werte fast erblassen
Ich sehe, wie man mit Schubkarren den Mist in den Garten gefahren
Wie man Fahrräder repariert hat, stolz war, eines zu haben
Ich sehe der Nachbarn Pferdewagen zur Weinlese fahren
Die Menschen am Most der Hatzfelder Trauben sich laben
Ich sehe die Kinder mit ihren Zöpfen und bunten „Maschen“
Alles ordentlich gebügelt, gekämmt, mit geputzten Schuh
Ich sehe die sauberen Schulhefte in den „Aktentaschen“
Höre, wie jeden Abend, die Fensterläden fallen langsam zu
Ich sehe Großmutter Hausseife kochen, in jedem Jahr
Aus gesammelten Resten von Speck, altem Schmalz, „Soda“ dazu
Ich erinnere mich, wie glücklich stolz mein Großvater war
Wenn er den Absatz repariert, zum Nikolaustag, an meinen Halbschuh´
Im Garten meiner Erinnerung wachsen Blumen, Bäume, Früchte, reiche Erntezeit
Ich sehe heute noch, wie jeder samstags Höfe und Gassen gekehrt
Brauchtum und Sitten zu jeder passenden Angelegenheit, jeder Jahreszeit
Unsere kompetenten Lehrer, die fürs Leben geprägt, vieles uns gelehrt
Ich sehe Wurst, Schinken, Speck im Selcher hängen
Wie Nachbarn, gemeinsam, das alte Hausdach "neu umgedeckt"
Ich höre frohe Kinderlieder, lausche Chorgesängen
Und spüre, wie Heimweh meine Tränen entdeckt
Stumm und wortlos streicheln sie mein Gesicht
Wenn ich einsam wandere durch die Gärten meiner Erinnerungswelt
Es gibt im Leben eines jeden Menschen Stunden, die vergisst er nicht
Auch nicht, wo er zuhause. Zuhause, zuhause bin ich nur in meinem Hatzfeld
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
16.05.2003

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