Sonntag, 10. Januar 2021

Gärten der Erinnerung

 


 

 

 

 

 

 

 

  Foto:©Elisabeth Anton

 

Gärten der Erinnerung                           

 

In den Gärten der Erinnerung blüht eine Blumenpracht

Die einzigartig in ihrem edlen Farbenkleid

Sie blüht am Morgen, im Regen und mitten in der Nacht

Es sind die Jahrzehnte zuhause, der Heimat goldene Zeit

 

Getragen von Erinnerung einmaliger Jahre, Stunden

Die es in einem Menschenleben nur einmal geben kann

Tränen der Freude, des Glücks, und unheilbare Wunden

Sind von damals geblieben, damals irgendwann

 

Blättere ich im Buche dieser Jahreszeiten

Sehe ich Hatzfeld in einem Blütentraum stehen

Farbenmeer im Frühling, im Sommer der Ernte reiche Gezeiten

Irgendwann die Störche kommen, dann des Herbstes Farben gehen

 

Ich sehe die beladenen Pferdewagen durch die Gassen fahren

Die friedliche Stille zur wundervollen Winterzeit

Ich sehe das Bild der Stadt sich ändern, seit vielen Jahren

Denke ich an Zuhause, an das Gefühl von Heimatgeborgenheit

 

Ich sehe im Ofen das Feuer lodernd brennen

Das Brot, wie es so glücklich dem Brotbackofen entnommen

Ich höre die Kinder ehrfurchtsvoll die Alten „Sie“ nennen

Und alle freuen sich, wenn endlich Besuch gekommen

 

Ich sehe die Kaul beim Treiß, den Strandkorb aus edlem Holz

Die ersten Knöpfe die „Hatzfelder Knopffabrik“ Richtung Welt verlassen

Ich sehe die fleißigen Hatzfelder. Ihr ganzer Stolz

Lässt Fremde beim Erkennen ihrer Werte fast erblassen

 

Ich sehe, wie man mit Schubkarren den Mist in den Garten gefahren

Wie man Fahrräder repariert hat, stolz war, eines zu haben

Ich sehe der Nachbarn Pferdewagen zur Weinlese fahren

Die Menschen am Most der Hatzfelder Trauben sich laben

 

Ich sehe die Kinder mit ihren Zöpfen und bunten „Maschen“

Alles ordentlich gebügelt, gekämmt, mit geputzten Schuh

Ich sehe die sauberen Schulhefte in den „Aktentaschen“

Höre, wie jeden Abend, die Fensterläden fallen langsam zu

 

Ich sehe Großmutter Hausseife kochen, in jedem Jahr

Aus gesammelten Resten von Speck, altem Schmalz, „Soda“ dazu

Ich erinnere mich, wie glücklich stolz mein Großvater war

Wenn er den Absatz repariert, zum Nikolaustag, an meinen Halbschuh´

  

Im Garten meiner Erinnerung wachsen Blumen, Bäume, Früchte, reiche Erntezeit

Ich sehe heute noch, wie jeder samstags Höfe und Gassen gekehrt

Brauchtum und Sitten zu jeder passenden Angelegenheit, jeder Jahreszeit

Unsere kompetenten Lehrer, die fürs Leben geprägt, vieles uns gelehrt

 

Ich sehe Wurst, Schinken, Speck im Selcher hängen

Wie Nachbarn, gemeinsam, das alte Hausdach "neu umgedeckt"

Ich höre frohe Kinderlieder, lausche Chorgesängen

Und spüre, wie Heimweh meine Tränen entdeckt

 

Stumm und wortlos streicheln sie mein Gesicht

Wenn ich einsam wandere durch die Gärten meiner Erinnerungswelt

Es gibt im Leben eines jeden Menschen Stunden, die vergisst er nicht

Auch nicht, wo er zuhause. Zuhause, zuhause bin ich nur in meinem Hatzfeld

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 16.05.2003              

 

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