Montag, 24. Mai 2021

Großvater, ich danke dir


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Großvater, ich danke dir                                     

 

So reich unsere Jahrzehnte, die Zeit mit dir

Du hast mir gezeigt, was im Leben wichtig, was wirklich zählt

 

Du hast mich gelernt, wozu Hammer, Zange, Säge wichtig

Was Ehrfurcht und Dank sind, wenn sie, nicht nur dir, den Alltag verschönern  

 

Du hast mir erzählt, wie grauenvoll, wie sinnlos Kriege sind

Dass diese, dieses Leid, sich nie mehr wiederholen dürfen

 

Du hast mir vom Elend erzählt, das du in den Schützengräben überlebt

Von den vielen unschuldigen Soldaten, die ihr Leben an der Front verloren

 

Ohne, dass jemand dies gewürdigt

Nur die Tränen ihrer Eltern fielen lebenslänglich

 

Du hast mir klargemacht, wo die Bedeutung von Holz und Blumenpracht

Warum wir Selbstversorger sind, der Garten gepflegt und gehegt werden muss

 

Du hast mich gelernt, wie man hobelt, Scheren schleift, mit dem Spaten umgeht

Warum wir Tauben züchten, warum all das Vieh im Hof so wichtig

 

Du hast mich gelernt, wie man einen Schweinedarm putzt, so zubereitet

Dass nachher darin die Wurst eingefüllt werden kann

 

Vom Schwein alles verarbeitet wird, warum Schafwolle und Honig so wichtig

Warum der Misthaufen so wertvoll, für das Vieh, den Garten

 

Du hast mir gezeigt, wie man Sense und Sichel dengelt

Wie man Hacke, Spaten, Axt wieder schneidefähig bekommt

 

Du hast Lehm mit Spreu mit mir „getreten“, mit den Füßen

Um die Rückwand des Hauses dort zu glätten, wo der Regen ein Teil zerstört

 

Mir gezeigt, auf dem Dachgerüst, dass ich weiß, wie man Dachziegeln eindeckt

Damit es nie reinregnet, auch nach hundert Jahren nicht, kein Sturm je was zerstört

 

Wir haben zusammen das Grabkreuz in Beton gegossen

Die weißen Steine aus dem Fluss gesammelt, abgeschliffen

 

In diesem altrosafarbenen Betongemisch, von uns zusammengerührt   

Sahen diese abgeschliffenen Steine wie kleine, weiße Monde aus

 

Du hast mich gelernt, wie man Garben bindet

Damit sie ins Ofenloch im Schuppen geschoben werden können

 

Damit sie, über den Ofen im Zimmer, angenehme Wärme schenken

Wenn die Eisblumengemälde die Fensterscheiben bemalen

 

Du hast mich gelehrt, wie wichtig es ist, sparsam und rücksichtsvoll zu sein

Ob mit Menschen, Natur, Tiere, Pflanzen, Erde, mit Gefühlen, Stunden des Lebens

 

Du hast mir die Liebe, das Leben und den Tod erklärt

Und wie stark sie macht, Hoffnung schenkt, die wahre Liebe

 

Wenn man fähig, sie zu leben, zu achten, zu bewahren

Voller Ehrfurcht und Dankbarkeit, weil uns Leben geschenkt

 

Du hast mich gewarnt, mir erklärt, in aller Deutlichkeit

Dass es sich nie lohnt, dass es dafür keine Verhältnismäßigkeit gibt

 

Sein Leben an den Stacheldrahtgrenzen unserer Heimat

Aufs Spiel zu setzen, für die Freiheit in einem fremden Land…

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                   13.05.2021

 

 

 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Das Leben hat seine Wege

                  Foto:©Elisabeth Anton     Das Leben hat seine Wege                                                   Manchmal kannst d...