Montag, 5. Juli 2021

Heimat, wer schrieb sie so verkehrt, deine Geschichte


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Heimat, wer schrieb sie so verkehrt, deine Geschichte                

 

Hinter den schweigenden Fensterscheiben

Keine selbstgehäkelten „Vorhänge“ mehr

In den Gassen nur noch die Hausnummer bleiben

Stumm und traurig zurück. Die Häuser leer

 

Als ob der stille Geschichtswind

Alles - ob Sprache, Menschen, Brauchtum - einfach weggefegt

Was war es so heimatlich, damals, ich war noch ein Kind

Heimat, dein Schicksal mich zutiefst bewegt

 

Was musstest du schon alles ertragen, überleben

Nun, über Aussiedlung, Generationen verkauft, in die Freiheit

Generationen, sie haben dir, über zwei Jahrhunderte, alles gegeben

Bis du sie erreicht, deine einzigartige Blütezeit

 

Deine guten, so vielen Brotsorten. Draußen vom Feld

Weizensäcke zur Hatzfelder Mühle gefahren

Brot, Zucker, Seile, Schuhe, Ziegel, Knöpfe, Möbel, Kleider, alles hergestellt

Ich erinnere mich, wie reich an Heimat deine Menschen waren

 

Dann, dann begann des Diktators Wahnsinn

In brutalster Weise, „seine Schuldentilgung“

Jedes Mittel IHM recht, alles kam in den Sinn

Wichtig nur „Geld“, selbst durch Verkauf der Menschen, ihrer Aussiedlung

 

Nicht zu fassen, die Walze war angeschoben

Ein letztes Mal von diesen Deutschen Profit auszupressen

ER, ER hat alles auf „die Exportwaage“ gehoben

Land ausgebeutet, das Volk kaum etwas zum Essen

 

Einer nach dem anderen suchte das Weite

Weil unerträglich Angst, Hunger, die Not, in diesem Land

„Diktator“, zeigte seine grausame, unbarmherzigste Seite

Alles exportieren, auch wenn´s das Brot aus der Menschen Hand

 

Diesmal, diesmal hatte ich auch Glück

Ich durfte, nach fast 20 Jahren Wartezeit, 1980, ausreisen

In dieser großen Hungersnot kam ich zu Besuch zurück

Um zu erkennen, sie sind nicht mehr da, die Weisen

 

Alles, alles zog dahin, wo man Freiheit gefunden

Der Preis dafür, Heimatverlust, Fremde im Wohlstand

Heimat, mein Heimweh hält uns verbunden

Wie schade um dich, um dieses einst so reiche Land

 

Hatzfeld, deine Gassen haben sich geleert

Deine Blumen verwelkt, im Strom von Leid und verlassen werden

Heimat, deine Geschichte, wer schrieb sie so verkehrt

Totenstille. Alles ausgelöscht, statt blühen, gedeihen, werden…

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                19.12.2013

 

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