Foto:©Elisabeth Anton
Heimat, wer schrieb sie so verkehrt, deine Geschichte
Hinter den schweigenden Fensterscheiben
Keine selbstgehäkelten „Vorhänge“ mehr
In den Gassen nur noch die Hausnummer bleiben
Stumm und traurig zurück. Die Häuser leer
Als ob der stille Geschichtswind
Alles - ob Sprache, Menschen, Brauchtum - einfach weggefegt
Was war es so heimatlich, damals, ich war noch ein Kind
Heimat, dein Schicksal mich zutiefst bewegt
Was musstest du schon alles ertragen, überleben
Nun, über Aussiedlung, Generationen verkauft, in die Freiheit
Generationen, sie haben dir, über zwei Jahrhunderte, alles gegeben
Bis du sie erreicht, deine einzigartige Blütezeit
Deine guten, so vielen Brotsorten. Draußen vom Feld
Weizensäcke zur Hatzfelder Mühle gefahren
Brot, Zucker, Seile, Schuhe, Ziegel, Knöpfe, Möbel, Kleider, alles hergestellt
Ich erinnere mich, wie reich an Heimat deine Menschen waren
Dann, dann begann des Diktators Wahnsinn
In brutalster Weise, „seine Schuldentilgung“
Jedes Mittel IHM recht, alles kam in den Sinn
Wichtig nur „Geld“, selbst durch Verkauf der Menschen, ihrer Aussiedlung
Nicht zu fassen, die Walze war angeschoben
Ein letztes Mal von diesen Deutschen Profit auszupressen
ER, ER hat alles auf „die Exportwaage“ gehoben
Land ausgebeutet, das Volk kaum etwas zum Essen
Einer nach dem anderen suchte das Weite
Weil unerträglich Angst, Hunger, die Not, in diesem Land
„Diktator“, zeigte seine grausame, unbarmherzigste Seite
Alles exportieren, auch wenn´s das Brot aus der Menschen Hand
Diesmal, diesmal hatte ich auch Glück
Ich durfte, nach fast 20 Jahren Wartezeit, 1980, ausreisen
In dieser großen Hungersnot kam ich zu Besuch zurück
Um zu erkennen, sie sind nicht mehr da, die Weisen
Alles, alles zog dahin, wo man Freiheit gefunden
Der Preis dafür, Heimatverlust, Fremde im Wohlstand
Heimat, mein Heimweh hält uns verbunden
Wie schade um dich, um dieses einst so reiche Land
Hatzfeld, deine Gassen haben sich geleert
Deine Blumen verwelkt, im Strom von Leid und verlassen werden
Heimat, deine Geschichte, wer schrieb sie so verkehrt
Totenstille. Alles ausgelöscht, statt blühen, gedeihen, werden…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
19.12.2013

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