Mittwoch, 21. Juli 2021

Welch Reichtum, damals…


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Welch Reichtum, damals…

Die artesischen Brunnen meiner Heimat                                  

 

Ein tiefes Loch, tiefer unten das Wasser

Über Treppen stieg man hinab

Ummauert mit uralten Ziegeln

Die mithörten, jahrein, jahraus

Das leise Plätschern, wenn das artesische Wasser

Zwischen den weißen Steinen versickerte

Wenn keine Gießkanne unter dem Wasserrohr

Dann floss es, tagein, tagaus

Das Wasser, jahrein, jahraus

In den Kreislauf der Natur zurück

Über Jahrzehnte schenkten sie

Diese artesischen Brunnen meiner Heimat

Wertvolles Wasser den Menschen

Ob Stadt, ob Land, in jedem Dorf

Überall sprudelte das artesische Wasser

Diese wertvollen Brunnen

Fast an jeder Ecke meiner Heimatstadt

Dann kamen die Wasserleitungsrohre, in jedes Haus

Keine Gießkannen mehr zu schleppen

Wasser im Hof, Küche, Bad

Die Moderne hielt Einzug

Aber die artesischen Brunnen

Sie flossen weiter, wurden gehegt, gepflegt

Noch einige Jahre

Bis der „Eiserne Vorhang“ gefallen

Ende von Diktatur, Stacheldrahtgrenzen, Kommunismus

Und die Geschichte nahm ihren Lauf

Nach nicht allzu langer Zeit

Die Aussiedlung in vollem Gange

Versickerte Brunnen um Brunnen

Bis alle kaputt waren

Weil alle blind, unwissend

Wie wertvoll dieses artesische Wasser

Das man täglich genießen konnte

Einfach so, weil es aus der Erde sprudelte

Nur die, die geblieben sind

Nach der Aussiedlung der Deutschen

Kannten den unbezahlbaren Wert unserer Heimat

Den Reichtum der artesischen Brunnen nicht…

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                   15.07.2021

 

 

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