Foto:©Elisabeth Anton
Welch Reichtum, damals…
Die artesischen Brunnen meiner Heimat
Ein tiefes Loch, tiefer unten das Wasser
Über Treppen stieg man hinab
Ummauert mit uralten Ziegeln
Die mithörten, jahrein, jahraus
Das leise Plätschern, wenn das artesische Wasser
Zwischen den weißen Steinen versickerte
Wenn keine Gießkanne unter dem Wasserrohr
Dann floss es, tagein, tagaus
Das Wasser, jahrein, jahraus
In den Kreislauf der Natur zurück
Über Jahrzehnte schenkten sie
Diese artesischen Brunnen meiner Heimat
Wertvolles Wasser den Menschen
Ob Stadt, ob Land, in jedem Dorf
Überall sprudelte das artesische Wasser
Diese wertvollen Brunnen
Fast an jeder Ecke meiner Heimatstadt
Dann kamen die Wasserleitungsrohre, in jedes Haus
Keine Gießkannen mehr zu schleppen
Wasser im Hof, Küche, Bad
Die Moderne hielt Einzug
Aber die artesischen Brunnen
Sie flossen weiter, wurden gehegt, gepflegt
Noch einige Jahre
Bis der „Eiserne Vorhang“ gefallen
Ende von Diktatur, Stacheldrahtgrenzen, Kommunismus
Und die Geschichte nahm ihren Lauf
Nach nicht allzu langer Zeit
Die Aussiedlung in vollem Gange
Versickerte Brunnen um Brunnen
Bis alle kaputt waren
Weil alle blind, unwissend
Wie wertvoll dieses artesische Wasser
Das man täglich genießen konnte
Einfach so, weil es aus der Erde sprudelte
Nur die, die geblieben sind
Nach der Aussiedlung der Deutschen
Kannten den unbezahlbaren Wert unserer Heimat
Den Reichtum der artesischen Brunnen nicht…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
15.07.2021

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