Mittwoch, 11. August 2021

Welch Tragik, „diese organisierte Aussiedlung“


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Welch Tragik, „diese organisierte Aussiedlung“                          

  

Vor dem Nachbarshaus, unverändert

Die alte Bank vor dem Holzzaun

Sie sitzt jeden Tag dort, die alte Nachbarin

Schaut in die gewohnte Richtung

Schauen, vergebens

 

Weil ich nicht mehr komme

Obwohl sie hoffte, mich zu sehen

Weil mein Traum nach Freiheit Erfüllung wurde

Musste ich fort, alles zurücklassen

Warten, vergebens

 

Die andere alte Nachbarin schrieb mir

Irgendwann, als ich in der Ferne eine Adresse

Dass meine Nachbarin noch immer auf mich wartet

Fragt so oft nach mir, ob es denn wirklich wahr sei

Hoffen, vergebens

 

Dass ich nie mehr wiederkomme, schwer für sie

Aber sie, sie wird warten, weil sie weiß

Dass ich eines Tages, irgendwann, kommen werde

Weil ich Heimat nie vergesse, niemals

Sagte meine alte Nachbarin zur anderen

 

Welch Tragik, „diese organisierte Aussiedlung“

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 28.07.2021

 

 

 

 

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