Foto:©Elisabeth Anton
Welch Tragik, „diese organisierte Aussiedlung“
Vor dem Nachbarshaus, unverändert
Die alte Bank vor dem Holzzaun
Sie sitzt jeden Tag dort, die alte Nachbarin
Schaut in die gewohnte Richtung
Schauen, vergebens
Weil ich nicht mehr komme
Obwohl sie hoffte, mich zu sehen
Weil mein Traum nach Freiheit Erfüllung wurde
Musste ich fort, alles zurücklassen
Warten, vergebens
Die andere alte Nachbarin schrieb mir
Irgendwann, als ich in der Ferne eine Adresse
Dass meine Nachbarin noch immer auf mich wartet
Fragt so oft nach mir, ob es denn wirklich wahr sei
Hoffen, vergebens
Dass ich nie mehr wiederkomme, schwer für sie
Aber sie, sie wird warten, weil sie weiß
Dass ich eines Tages, irgendwann, kommen werde
Weil ich Heimat nie vergesse, niemals
Sagte meine alte Nachbarin zur anderen
Welch Tragik, „diese organisierte Aussiedlung“
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
28.07.2021

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