Foto:©Elisabeth Anton
Erinnerungen aus der Heimat
Sie stand, ein letztes Mal
Vor dem uralten Gartentürchen
Schaute zum Kirchturm ihrer Heimatkirche
Lauschte dem Glockenschlag der Zeit
Wohlwissend, dass die Stunde geschlagen
Zu gehen, für immer
Heimat für Freiheit zu opfern
Um Diktatur, den Stacheldrahtgrenzen zu entkommen
Ihre Blicke schweifen noch einmal
Über die Nachbarhäuser, Gärten
Schweineställe, Taubenschlag, das gestapelte Holz
Das der Nachbar heute noch wegfahren muss
Rüber, zu sich in den Hof
Sie geht im Elternhaus den langen Gang entlang
Steht im Gassentürchen
Schaut die Straße rauf und runter
Und fragt sich, mit Tränen in den Augen
„Ist Heimat für immer verloren
Wie das Großmutter schon erleben musste?“
Vor dem Nachbarshaus umarmt sie ihre gute, alte Nachbarin
Schaut noch einmal zu ihrem Elternhaus, den Akazienbäumen
Dann geht sie, Richtung Bahnhof
Und ihre Tränen sagen ihr
Dass es keine zweite Heimat mehr geben wird
„Organisierte Aussiedlung“ statt Länder ohne Stacheldrahtgrenzen
Und, als Jahrzehnte danach der Eiserne Vorhang endlich weg
War es für eine Rückkehr zu spät
Weil die Deutschen in ihrer Heimat ausgesiedelt
Ihre Heimat gab es nicht mehr
Nur noch Fremde in ihrer Heimatstadt
Und Fremde in der Freiheit
Am Ende, nur eine Frage geblieben
„Welche Fremde zerbricht sie mehr?“…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
10.09.2021

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