Sonntag, 19. September 2021

Erinnerungen aus der Heimat


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Erinnerungen aus der Heimat                                        

 

Sie stand, ein letztes Mal

Vor dem uralten Gartentürchen

Schaute zum Kirchturm ihrer Heimatkirche

Lauschte dem Glockenschlag der Zeit

Wohlwissend, dass die Stunde geschlagen

Zu gehen, für immer

Heimat für Freiheit zu opfern

Um Diktatur, den Stacheldrahtgrenzen zu entkommen

Ihre Blicke schweifen noch einmal

Über die Nachbarhäuser, Gärten

Schweineställe, Taubenschlag, das gestapelte Holz

Das der Nachbar heute noch wegfahren muss

Rüber, zu sich in den Hof

Sie geht im Elternhaus den langen Gang entlang

Steht im Gassentürchen

Schaut die Straße rauf und runter

Und fragt sich, mit Tränen in den Augen

„Ist Heimat für immer verloren

Wie das Großmutter schon erleben musste?“

Vor dem Nachbarshaus umarmt sie ihre gute, alte Nachbarin

Schaut noch einmal zu ihrem Elternhaus, den Akazienbäumen

Dann geht sie, Richtung Bahnhof

Und ihre Tränen sagen ihr

Dass es keine zweite Heimat mehr geben wird

„Organisierte Aussiedlung“ statt Länder ohne Stacheldrahtgrenzen

Und, als Jahrzehnte danach der Eiserne Vorhang endlich weg

War es für eine Rückkehr zu spät

Weil die Deutschen in ihrer Heimat ausgesiedelt

Ihre Heimat gab es nicht mehr

Nur noch Fremde in ihrer Heimatstadt

Und Fremde in der Freiheit

Am Ende, nur eine Frage geblieben

„Welche Fremde zerbricht sie mehr?“…

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 10.09.2021

 

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