Sonntag, 17. Oktober 2021

Mein Schaukelpferd, meine Katze…


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Mein Schaukelpferd, meine Katze…                                                             

Erinnerungen, die mehr als weh tun

 

Das kleine Schaukelpferd, es steht so regungslos da

So still ist´s im Raum. Nur Tränen hört man fallen

 

Es darf nicht mit auf die Reise, mein uraltes Schaukelpferd

Aus Holz, weiß gestrichen. Sattel, Halfter, in bunten Farben aufgemalt

 

Nun steht es da, wartet. Wer es wohl will, in Ehren halten

Mit ihm schaukeln, singen wird, wie die Kinder das bisher getan

 

Viele gehen vorbei, stumm, wortlos. Das alte Schaukelpferd noch hofft

Dass es doch mitgenommen wird, nicht in fremde Hände muss

 

Das Haus leer. Möbel weg. Ställe, Schuppen leer

Kinderspielzeug, Fahrräder, Schubkarre, Gartengeräte, alles verschenkt, weg

 

Behutsam nehme ich mein Schaukelpferd, mit Tränen in den Augen

Stelle es etwas zur Seite, vor das Verandafenster

 

Die Katze springt drauf, kuschelt sich, schläft in aller Seelenruhe ein

In meinem uralten Schaukelpferd, das auf die Reise gehen muss, wie ich

 

Ein kleiner Nachbarsjunge kommt die Treppe hoch

Schaut mich mit strahlenden Augen an und fragt

 

„Ist noch etwas übriggeblieben, für mich?“

„Ja“, sage ich, „mein Schaukelpferd und meine Katze.“

 

Diese leuchtenden Kinderaugen, voller Glück

Der Junge umarmt mich und sagt

 

„Du kannst in die Freiheit fahren, über die Grenze

Ich pass so lange auf dein Schaukelpferd und deine Katze auf.“

 

Ich umarme ihn lieb, küsse seine Stirn stumm und wortlos

Und höre, wie meine letzten Tränen mein Schaukelpferd streicheln…

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                  12.08.2016

 

 

 

 

 

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