Foto:©Elisabeth Anton
Mein Schaukelpferd, meine Katze…
Erinnerungen, die mehr als weh tun
Das kleine Schaukelpferd, es steht so regungslos da
So still ist´s im Raum. Nur Tränen hört man fallen
Es darf nicht mit auf die Reise, mein uraltes Schaukelpferd
Aus Holz, weiß gestrichen. Sattel, Halfter, in bunten Farben aufgemalt
Nun steht es da, wartet. Wer es wohl will, in Ehren halten
Mit ihm schaukeln, singen wird, wie die Kinder das bisher getan
Viele gehen vorbei, stumm, wortlos. Das alte Schaukelpferd noch hofft
Dass es doch mitgenommen wird, nicht in fremde Hände muss
Das Haus leer. Möbel weg. Ställe, Schuppen leer
Kinderspielzeug, Fahrräder, Schubkarre, Gartengeräte, alles verschenkt, weg
Behutsam nehme ich mein Schaukelpferd, mit Tränen in den Augen
Stelle es etwas zur Seite, vor das Verandafenster
Die Katze springt drauf, kuschelt sich, schläft in aller Seelenruhe ein
In meinem uralten Schaukelpferd, das auf die Reise gehen muss, wie ich
Ein kleiner Nachbarsjunge kommt die Treppe hoch
Schaut mich mit strahlenden Augen an und fragt
„Ist noch etwas übriggeblieben, für mich?“
„Ja“, sage ich, „mein Schaukelpferd und meine Katze.“
Diese leuchtenden Kinderaugen, voller Glück
Der Junge umarmt mich und sagt
„Du kannst in die Freiheit fahren, über die Grenze
Ich pass so lange auf dein Schaukelpferd und deine Katze auf.“
Ich umarme ihn lieb, küsse seine Stirn stumm und wortlos
Und höre, wie meine letzten Tränen mein Schaukelpferd streicheln…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
12.08.2016
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen