Mittwoch, 21. September 2022

Heimat, diese „Aussiedlung“, sie nahm alles mit


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Heimat, diese „Aussiedlung“, sie nahm alles mit                       

 

Heimat, so fremd dein Gesicht

Deine Sprache, sie fehlt

Die Nüsse verlassen von allein ihre Schalen nicht

Heimaterde, was deine Geschichte so alles erzählt

 

In deinen Gassen fehlen sie

Deine Lieder, Brauchtum, Muttersprache

Deiner Schwalben, deiner Grillen Melodie´

„Aussiedlung“, sie hat keine Sprache

 

Sie erstickt alles in diesem Schmerz

Sie umarmt alles in ihrer Stummheit

Die Mächtigen dieser Welt, sie haben kein Herz

Wenn sie Heimat zerstören statt überall „Grenzen-Freiheit“

 

Heimat, deine Häuser kahl und ausgekühlt

Ihre Seelen, sie nahmen Leben und Sein auf ihre Reise mit

Mein Heimweh, sehr oft, in mancher Erinnerung wühlt

Merkt, wie vernichtend dieser „Aussiedlungs-Abschnitt“

 

Was haben die Wirtschaftsmächtigen sich nur gedacht

Als „SIE“ geplant, organisiert, uns Heimat zu rauben

Statt Landesgrenzen mit Freiheit, ohne Stacheldraht, bedacht

Woran soll man da noch glauben

 

Heimat, in deinen Gassen, auf Haus und Pflasterstein

Kleben sie, unsichtbar, reich, bunt eingraviert

Die Schicksale deiner Hatzfelder. Ihr Fleiß wird unvergessen sein

Ihre Geschichte, jedes Detail längst notiert

 

Heimat, über Jahrzehnte dich geliebt, bewohnt

Geopfert, geschuftet, gespart, aufgegeben

Damit sich Heimat für jeden lohnt

Bis dir, in unvorstellbarer Weise, „Aussiedlung“ gegeben

 

Ich stehe an der Ecke, Erinnerungen rolle ich auf

Sehe auf allen Fensterscheiben, jedem Schlüsselloch, diese heimlichen Tränen

Ich schaue, fast hilflos, traurig betend zum Himmel auf

Heimat, was umrahmt dich doch ein leeres Gähnen

  

Jeder Pfosten, jedes Haus, Zaun und Mauer, jeder uralte Baum

Sie können „diesen Ausverkauf“ nicht verstehen

Daheim zu bleiben, mal kurz die Welt sehen, das war der Traum

Warum ließ man Hatzfelder nicht einfach vor stacheldrahtlosen Grenzen stehen

 

Welch Lebenssünde, welch Schande, Heimat zu vernichten

Welch Tragödie, dass Menschen, Brauchtum, Muttersprache, einfach verschwunden

Man kann im Leben auf vieles verzichten

Wenn man Heimat statt „Heimatlosigkeit in Freiheit“ gefunden

 

Heimat, noch einmal gehe ich die Wege entlang, dorthin

Wo einst Glück und Geborgenheit zuhaus´

„Aussiedlung“, worin liegt der Sinn

Statt Grenzen zu vernichten, machte man „Heimat“ den Garaus

 

Nun stehe ich da, meine Schritte unbeweglich

Als ob festgeklebt da, da wo ich einst daheim

Welch Fremde, welch Heimweh erstickt mich

Freiheit ohne Heimat, was kann sie so quälend traurig sein

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                   09.11.2013

 

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