Foto:©Elisabeth Anton
Heimat, diese „Aussiedlung“, sie nahm alles mit
Heimat, so fremd dein Gesicht
Deine Sprache, sie fehlt
Die Nüsse verlassen von allein ihre Schalen nicht
Heimaterde, was deine Geschichte so alles erzählt
In deinen Gassen fehlen sie
Deine Lieder, Brauchtum, Muttersprache
Deiner Schwalben, deiner Grillen Melodie´
„Aussiedlung“, sie hat keine Sprache
Sie erstickt alles in diesem Schmerz
Sie umarmt alles in ihrer Stummheit
Die Mächtigen dieser Welt, sie haben kein Herz
Wenn sie Heimat zerstören statt überall „Grenzen-Freiheit“
Heimat, deine Häuser kahl und ausgekühlt
Ihre Seelen, sie nahmen Leben und Sein auf ihre Reise mit
Mein Heimweh, sehr oft, in mancher Erinnerung wühlt
Merkt, wie vernichtend dieser „Aussiedlungs-Abschnitt“
Was haben die Wirtschaftsmächtigen sich nur gedacht
Als „SIE“ geplant, organisiert, uns Heimat zu rauben
Statt Landesgrenzen mit Freiheit, ohne Stacheldraht, bedacht
Woran soll man da noch glauben
Heimat, in deinen Gassen, auf Haus und Pflasterstein
Kleben sie, unsichtbar, reich, bunt eingraviert
Die Schicksale deiner Hatzfelder. Ihr Fleiß wird unvergessen sein
Ihre Geschichte, jedes Detail längst notiert
Heimat, über Jahrzehnte dich geliebt, bewohnt
Geopfert, geschuftet, gespart, aufgegeben
Damit sich Heimat für jeden lohnt
Bis dir, in unvorstellbarer Weise, „Aussiedlung“ gegeben
Ich stehe an der Ecke, Erinnerungen rolle ich auf
Sehe auf allen Fensterscheiben, jedem Schlüsselloch, diese heimlichen Tränen
Ich schaue, fast hilflos, traurig betend zum Himmel auf
Heimat, was umrahmt dich doch ein leeres Gähnen
Jeder Pfosten, jedes Haus, Zaun und Mauer, jeder uralte Baum
Sie können „diesen Ausverkauf“ nicht verstehen
Daheim zu bleiben, mal kurz die Welt sehen, das war der Traum
Warum ließ man Hatzfelder nicht einfach vor stacheldrahtlosen Grenzen stehen
Welch Lebenssünde, welch Schande, Heimat zu vernichten
Welch Tragödie, dass Menschen, Brauchtum, Muttersprache, einfach verschwunden
Man kann im Leben auf vieles verzichten
Wenn man Heimat statt „Heimatlosigkeit in Freiheit“ gefunden
Heimat, noch einmal gehe ich die Wege entlang, dorthin
Wo einst Glück und Geborgenheit zuhaus´
„Aussiedlung“, worin liegt der Sinn
Statt Grenzen zu vernichten, machte man „Heimat“ den Garaus
Nun stehe ich da, meine Schritte unbeweglich
Als ob festgeklebt da, da wo ich einst daheim
Welch Fremde, welch Heimweh erstickt mich
Freiheit ohne Heimat, was kann sie so quälend traurig sein
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
09.11.2013

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