Foto:©Elisabeth Anton
Meine Heimat, längst eingeäschert
Nur drei Jahrzehnte haben SIE gebraucht
Dich einzuäschern, dich, mein Hatzfeld
Leere Gassen, kein Blätterhaufen mehr im Garten raucht
Fremde Menschen! Keiner sammelt mehr „Storze“* auf dem Feld
Keiner freut sich mehr über frische Butter
Frisch aus der Form gestürzt, aus Milch von Nachbars Kuh
Sie steht nicht mehr am Heldengrab, die alte, weinende Mutter
Geschichtsbuch und Bilderalben, sie fielen längst zu
Auf dem Friedhof längst gelöschte Namen
Hie und da noch alte, verblasste Fotos durch Gedanken gehen
Sie sind alle fort, schneller als ihre Ahnen kamen
Keine deutschen Schulen, kein artesischer Brunnen mehr zu sehen
Kein Haustürschlüssel hängt mehr am Nagel vom Gartenzaun
In den Höfen kein gemeinsames Mais-Lieschen mehr
Meine Heimatjahrzehnte, als ob ein langer Traum
Heimat, so schnell waren deine Menschen fort, deine Gassen leer
Keiner spielt mehr, voller Lust, mit den Karten
Sonntags, auf der Bank vor dem Haus
Keine Großeltern mehr auf ihre Enkel warten
Alles verstummt, auch mein Elternhaus
Vom Taktstock der Mächtigen dieser Welt, brutal organisiert
Daher heute, nur noch stummes Schweigen die Gassen meiner Heimat ziert
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
08.10.2017
(*Maiswurzel, die über dem gepflügten Ackerfeld lagen, von Sonne und Wind etwas getrocknet, die hat man eingesammelt, mit einem Handwagen nach Hause gefahren, in die dafür eigens eingerichtete Schuppenecke. Diese Wurzeln wurden als Brennmaterial für den Kessel verwendet, um am Waschtag das Wasser zu erhitzen, die Wäsche zu kochen. Dieser Kessel stand im Schuppen, wo gewaschen wurde, von Hand, in einem hölzernen Waschtrog, mit selbst gekochter Hausseife und Bürste. Durch diese Maiswurzeln konnte man dann Brennholz einsparen. Diese Maiswurzeln waren kostenlos, man musste sie nur von Hand aufraffen, zusammentragen, heimfahren.)

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