Mittwoch, 7. Dezember 2022

Dort, dort war meine Heimat


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Dort, dort war meine Heimat                                                       

 

Wo in jedem Haus ein Blütenmeer

Der Holunderstrauch zwischen Schweinestall und Nachbarsmauer

Wo das Fass der Hoffnung nie leer

Wo die Katze täglich auf der Lauer

 

Wo an den Maisstängel hochgerankt die Bohnen

Die Kürbisse auf der Erde lagen, bis zum ersten Frost

Heimat, das hieß bei Gott und Erde zuhause sein, Natur konnte belohnen

Wo es nicht wichtig, ob glänzend wie Gold, ob matt wie Rost

 

Dort, wo man im Nachbarshaus willkommen

Ohne Termin, ohne vorherige Ansage

Wo man das Gefühl von Daheim, in jedem Augenblick vernommen

Wo man wusste, dass manchmal ohne Antwort eine Frage

 

Wo man die Eier direkt geholt aus dem Nest

Oder sich gefreut, wenn ein Huhn mal sein Ei im Hof verloren

Was war das für uns Kinder ein besonderes Fest

Eigelb in die Tasse, Kristallzucker dazu, gerührt, bis Delikatesse geboren

 

Dort, wo die Hähne dich geweckt am Morgen

Weder Kinderspiel noch der Hähne Krähen ungewollt

Wo man Freude geteilt, Leid und Sorgen

Wo Brauchtum und Muttersprache aus jeder Seele gerollt

 

Dort, wo es noch vier Jahreszeiten gegeben

Schneeglöckchen, Veilchen, Tulpen, Rosen einzigartiges Blütenmeer

Dort, wo man Alter, Natur geehrt, Erde, Himmel und Leben

Dort, dort war einst meine Heimat, gelebte Geborgenheit. Heute, alles stumm, leer

 

Dass es möglich, in nicht mal vierzig Jahren

Alles auszulöschen, was einst seit Ansiedlung Heimat und Zuhaus´

Keine Pferdeschlitten mehr zur Weihnachtszeit durch die Gassen fahren

Es war einmal Heimat, Daheim, Geborgenheit, Zuhaus´

 

Heute, selbst der Friedhof stumm, er schweigt

Hie und da noch ein Grabstein mit Bild und Namen

Heimat, die Geschichte der Macht hat dich geneigt

Ausgelöscht fast alles, wofür sie Opfer gebracht, die, seit Ansiedlung kamen

 

Meine Heimat so still. Schweigend geh ich durch die Gassen

Erinnerungen zeigen mir, dass deine Geschichte nur noch Erinnerungsmeer

Ich kann nicht urteilen, ich kann nichts ändern, nicht hassen

Ich weine nur. Heimat, meine Heimat, es gibt dich nicht mehr

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                   29.11.2022

 

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