Sonntag, 15. Oktober 2023

Das „schleichende Vergessen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Das „schleichende Vergessen“                              

Wenn Alzheimer dein Schicksal wird

 

Das „schleichende Vergessen“, welch Tragödie

Schlimmer als der Tod, das Ende des Lebens

Sie ist verstummt, unsere Glückssymphonie

Ich schau zurück. Alles, aber auch alles, es war vergebens

 

Wir haben geschuftet, gerackert, gespart

Was haben wir so vielem, so oft entsagt

Damit sie golden wird, unseres Alters Herbstfahrt

Wenn wir irgendwann mal betagt

 

Wir haben geschuftet, geschwitzt, so oft verzichtet

Damit irgendwann der Herbst unseres Lebens ohne Sorgen

Und siehe da: Das Schicksal hat gerichtet

Es hat alles bestimmt, dass auch düster grau mein Morgen

 

Ich bin traurig und hilflos, traurig und ganz allein

Ich gehe durch die Straßen, ich kann mich nicht mehr freuen

Da kann Weihnachtslichterglanz noch so märchenhaft schön sein

In Gedanken bin ich woanders. Soll ich weinen, schreien, trauern, bereuen

 

Noch nie in meinem Leben war ich so hilflos, so traurig

Meine Tränen kann niemand mehr zählen

Es läuft mir den Rücken runter, seltsam schaurig

Wenn meine Gedanken manche Erinnerung wählen

 

Alles, alles war vergebens, nur noch restlos vergebens

Mit nur einem Atemzug blieb „unsere Welt“ einfach stehen

Ich weine. Warum? Warum ist das der Herbst unseres Lebens

Warum müssen wir im silbergrauen Nebelschleier durch unsere Jahre gehen

 

Es ist, als hätte mein Herz aufgehört zu schlagen

Diesen Schmerz kann niemand verstehen, niemand messen

Ich muss sie begreifen lernen, dulden und ertragen

Diese Tragödie unseres Lebens, „dein schleichendes Vergessen“

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                    17.12.2005

 

 

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