Mittwoch, 11. Oktober 2023

Wie ein letztes Aufbäumen, Allerheiligen in der Heimat

 

 

 

                                                                                     

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Wie ein letztes Aufbäumen, Allerheiligen in der Heimat                       

Wenn Alzheimer zum Schicksal wird

 

Ich erinnere mich sehr gerne an die Novemberfahrt

Goldener Herbst begleitete uns über viele Stunden

Heute, heute glänzt nur sein Silberbart

Tief in der Seele spürt er nicht mehr alle Wunden

 

Es war wie ein letztes, wie ein allerletztes Aufbäumen

Bevor die Flut der Endlichkeit vor ihren unaufhaltsamen Wegen steht

Was haben wir nicht alles zurechtgerückt, in unseren Plänen, Träumen

Und heute? Heute, vor allem und überall, nur noch die Erinnerung steht

 

Es waren Stunden, so schön wie noch nie in meinem Leben

Als wäre es unsere letzte Fahrt in Begleitung von Dankbarkeit und Glück

Die wenigen Tage haben uns so viel Freude, so viel Glück gegeben

Heute weine ich, schaue, dankbar für alles, einfach zurück

 

Noch nie war er so fröhlich, so gut gelaunt

Er hat mich verwöhnt, voller Freude mir so vieles erzählt

Heute, heute manch einer nur noch staunt

Wie grausam das Schicksal seine Wege wählt

 

Wenn ich diese Welten so gegenüberstelle

Vor einigen Wochen noch unseres Lebens schönste Herbstfahrt

Und heute? Heute nur noch Tränen, Sorgenquelle

Was geblieben? Geblieben ist sein silbergrauer Bart

 

Grausam, meines Schicksals Entscheidung

Alles dahin. Es gibt nichts mehr zum Versäumen

Hilflos stehe ich da. Mein Leben ohne Sinn. Wo sind Glaube, Hoffnung

Dankbarkeit für die Novemberfahrt, ein Weg wie ein allerletztes Aufbäumen

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                     17.12.2005

 

 

 

 

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