Foto:©Elisabeth
Anton
Ich schreibe über Leben und Tod, über Liebe und Menschlichkeit
Sie setzte sich zum Bettler, auf eine Bank
Wo man des Flusses Lied gehört
„Du bist hier falsch!“, sagte der Bettler auf der Bank
„Wenn dich das Rauschen des Flusses stört.“
Sie fragte ihn, wo er denn wohnt
„Nirgendwo“, sagte der Bettler, „nur unter dem Himmelszelt.“
Warum das Leben ihn nicht mit „Zuhause“ belohnt
Fragt sie nicht. Er hat ihr ja sonst noch nichts erzählt
Es schien, er ist müde, schläft ein
Sie nimmt ihr zerknittertes Papier, Blatt um Blatt
Sie denkt, sie kann dichten, sie ist hier allein
Ahnte nicht, dass der Bettler es gehört, ihr knisterndes Blatt
Er schaut ihr heimlich zu, sagt kein Wort
Sie dichtet, sie schreibt, was der Augenblick ihr quittiert
Sie träumt sich an einen bestimmten Ort
Denkt, sie ist allein, wo ihre Feder ihrer Seele Traum diktiert
Ihr Gedicht zu Ende, sie schaut zum Fluss
Ihr Blick nach oben, betend zum Himmelszelt
„Mein Herrgott, bring die Not der Hilflosen zum Schluss.“
Wie grausam, was manches Leben erzählt
Plötzlich, die Stimme des Bettlers zu hören
„Welch Gedicht, wie wunderschön
Dein Gedicht verdient den größten Preis, weil deine Worte Not und Leid erhören
Du musst viel schreiben, weil deine Gedanken, Gefühle, sie gehn´
Tief unter die Haut, du bist ehrlich, kennst der Armen Not.“
Sie blickte zu ihm, sie spürte ihre Tränen
Ich schreibe nicht für Literaturpreise, nur über Leben und Tod
Meinen Namen muss keiner erwähnen
Ich wünsche mir, dass die Menschen nachdenken, verstehen
Wie wichtig die Liebe, wie schön Herzensgüte, die Menschlichkeit
Ich will nur erinnern, wie schnell wir von dieser Welt gehen
Wie wichtig, sie zu leben, die Liebe, die Menschlichkeit
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
07.12.2024
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