Das von Menschen und
Zeit übersehene Kind
Schweigend,
nachdenklich sitze ich auf einer Bank
Nicht
weit von mir, ein Spielplatz
Ich
schicke nach oben, Gebet und Dank
Und
suche verzweifelt nach dem passenden Satz
Passenden
Satz, für das was ich sehe
Ein
kleines Mädchen spielt allein im Sand
Ich
überlege, ob ich verharre oder zu ihr gehe
Als
ob sie traurig, merkwürdig bewegt sie ihre Hand
Ich
rufe ihr zu: „Schön, was Du gebaut
Sehr
schön, es gefällt mir gut.“
Aus
unschuldigen Augen, welch Sehnsucht schaut
Dann
steht sie auf, fasst Mut
Sie
kommt zu mir, setzt sich neben mich
Schaut
mich so traurig an und sagt
„Ich
habe Hunger, meine Hand schmerzt mich.“
Als
ob niemand mehr nach ihren Sorgen gefragt
„Du
hast Hunger? Hast du nichts gegessen, heute Morgen?“
Frage
ich. In meiner Brust quälend erstickender Schmerz
„Nein,
ich kann mir auch nirgendwo was borgen.
Ich
habe Hunger.“ Es weint mein Herz
„Komm,
wir gehen zum Bäcker, kaufen Brot.“
Sage
ich, und tief in mir weint meine Seele
„Das
geht nicht, ich habe kein Geld, nur Hunger nach Brot.“
„Komm,
wir gehen.“ Den kürzesten Weg ich wähle
An
den Tischen in der Bäckerei
Viel
Platz, wir wählen einen aus
Große
Auswahl, viel Allerlei
„Schau,
wähle dir, was du möchtest, wähle aus.“
Das
Mädchen schaut zur Verkäuferin
„Bitte,
bitte ein Stück Brot, ich will nur ein Stück Brot.“
In
meinem Herzen tobt der Wahnsinn
Ich
sehe, erlebe die Wirklichkeit, mit ihrer grenzenlosen Not
Die
Verkäuferin reicht ihr ein belegtes Stück Brot
Das
Kind schaut zu mir, sagt: „Dankeschön!
Weißt
du, das sättigt am meisten, meine Hungersnot
Damit
kann ich lernen, wieder zur Schule gehn.“
Ich
streichelte ihre Hand, ihr Haar
Und
sagte: „Willst du wieder zur Schule gehen?“
„Ich
weiß nicht, ich war dort nicht seit letztem Jahr
Ich
weiß nicht, darf ich dort noch hingehen?
Ich
habe kein Zuhause, niemanden mehr
Meine
Eltern schlafen auf dem Friedhof, nach einem Autounfall
Der
Fahrer fuhr davon. Ihr Leben war weg, stumm und leer
Und
meine Zeit, nur noch tiefer Fall
Ich
bin ganz allein, schlafe jede Nacht
Irgendwo,
wo er nicht so kalt, der Wind
Es
ist so schön, dass du mich mit Brot bedacht.“
Sagte
es zu mir, das von Menschen und Zeit übersehene Kind…
©Elisabeth Anton, Speyer /
Hatzfeld
14.01.2019
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