Samstag, 20. Juli 2019

Das von Menschen und Zeit übersehene Kind



















Das von Menschen und Zeit übersehene Kind     
        



Schweigend, nachdenklich sitze ich auf einer Bank

Nicht weit von mir, ein Spielplatz

Ich schicke nach oben, Gebet und Dank

Und suche verzweifelt nach dem passenden Satz



Passenden Satz, für das was ich sehe

Ein kleines Mädchen spielt allein im Sand

Ich überlege, ob ich verharre oder zu ihr gehe

Als ob sie traurig, merkwürdig bewegt sie ihre Hand



Ich rufe ihr zu: „Schön, was Du gebaut

Sehr schön, es gefällt mir gut.“

Aus unschuldigen Augen, welch Sehnsucht schaut

Dann steht sie auf, fasst Mut



Sie kommt zu mir, setzt sich neben mich

Schaut mich so traurig an und sagt

„Ich habe Hunger, meine Hand schmerzt mich.“

Als ob niemand mehr nach ihren Sorgen gefragt



„Du hast Hunger? Hast du nichts gegessen, heute Morgen?“

Frage ich. In meiner Brust quälend erstickender Schmerz

„Nein, ich kann mir auch nirgendwo was borgen.

Ich habe Hunger.“ Es weint mein Herz



„Komm, wir gehen zum Bäcker, kaufen Brot.“

Sage ich, und tief in mir weint meine Seele

„Das geht nicht, ich habe kein Geld, nur Hunger nach Brot.“

„Komm, wir gehen.“ Den kürzesten Weg ich wähle



An den Tischen in der Bäckerei

Viel Platz, wir wählen einen aus

Große Auswahl, viel Allerlei

„Schau, wähle dir, was du möchtest, wähle aus.“



Das Mädchen schaut zur Verkäuferin

„Bitte, bitte ein Stück Brot, ich will nur ein Stück Brot.“

In meinem Herzen tobt der Wahnsinn

Ich sehe, erlebe die Wirklichkeit, mit ihrer grenzenlosen Not



Die Verkäuferin reicht ihr ein belegtes Stück Brot

Das Kind schaut zu mir, sagt: „Dankeschön!

Weißt du, das sättigt am meisten, meine Hungersnot

Damit kann ich lernen, wieder zur Schule gehn.“



Ich streichelte ihre Hand, ihr Haar

Und sagte: „Willst du wieder zur Schule gehen?“

„Ich weiß nicht, ich war dort nicht seit letztem Jahr

Ich weiß nicht, darf ich dort noch hingehen?



Ich habe kein Zuhause, niemanden mehr

Meine Eltern schlafen auf dem Friedhof, nach einem Autounfall

Der Fahrer fuhr davon. Ihr Leben war weg, stumm und leer

Und meine Zeit, nur noch tiefer Fall



Ich bin ganz allein, schlafe jede Nacht

Irgendwo, wo er nicht so kalt, der Wind

Es ist so schön, dass du mich mit Brot bedacht.“

Sagte es zu mir, das von Menschen und Zeit übersehene Kind…



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld 
       14.01.2019 





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