Montag, 13. Juli 2020

Auf die Reise, wie meine Schwalben

















Foto:©Elisabeth Anton


Auf die Reise, wie meine Schwalben                         

          Ausreisetag. Curtici, 13. Juli 1980





Der Abend naht. Die Lokomotive, endlich in Bewegung

Aufgeatmet, die Alten, die Jungen, unser kleiner Hund

In den Augenblick zwängt sich die Erinnerung

An meine Schwalben, zu ihrer Abschiedsstund´



Jedes Mal, wenn sie gegen Ende der Sommerzeit

Sich versammelt, auf den elektrischen Drähten

Wollte ich mitreisen, mit in die Freiheit

Schwalben weg. Herbstwinde mal wieder Trauer säten



Ich wollte immer mit meinen Schwalben mit

Weit weg von Stacheldrahtgrenzen. Ich liebte die Freiheit sehr

Und jetzt, jetzt begann dieser große Schritt

Im Zugabteil Richtung Freiheit. Das Haus daheim allein, leer



Erinnerungen quälen meine Gedanken, türmen sich auf

Vor mir, die endlose Ebene zur Sommerzeit

Ich schicke meine Gebete zum Himmel hinauf

Und freue mich heimlich auf unbekannte Freiheit



Wie die Schwalben, so schwebte der Zug auf den Gleisen

Ratterndes Räderwerk, unsere Reisesymphonie

„Gehen die Verrückten oder die Weisen?“

Fragte ich mich. Der Wind schickte Abschiedsmelodie



Meine Schwalben, sie blieben in Hatzfeld zurück

Mein Schicksal führte mich vor ihnen auf die Reise

Nenne ich dies ein „Fehler“ oder „großes Glück“

Mein Traum nach Leben ohne Grenzen falsch oder weise



Viele Gedanken quälten sich in mir

Verzweiflung da, dann wieder Fröhlichkeit

Ich stelle fest: Ob ich da, dort oder hier

Ich war nie das Opfer meiner Träume, meiner Zeit



Opfer und Genießer, egal wie alles sich dreht

Meine Schwalben, so oft mein Freiheitsreiter

Heute, heute der Abschiedswind meiner Heimat weht

Meine Schwalben, sie sind nicht mein Begleiter



Sie sind, sie bleiben die Wunder unserer Natur

Sie kennen weder Landesgrenzen noch Stacheldraht

Meine Schwalben, sie entflogen jedes Jahr dieser Diktatur

Nun auch für mich, der Weg in die Freiheit parat



Langsam schlängelt der Zug durch die Nacht

Lauwarme Winde streicheln die Landschaft. Eine Reise

Sie wurde Wirklichkeit. Welch Opfer ich gebracht

Fragt keiner. Ich werde erleben, ob mein Traum verrückt oder weise…



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

              02.09.2012

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