Foto:©Elisabeth Anton
Heimat,
deine Vergänglichkeit
Es tut mir leid um dich, du mein Hatzfeld
Kein Mais-Schroter mehr im Schuppen zu hören
Keine blühenden Akazien mehr vor dem Schweinestall
Was können Diktaturen so alles zerstören
Bringen das Volk, ein reiches Land, alles, zu Fall
Im Brunnen spiegelt sich der Mond nicht mehr
In kühler Tiefe schwimmen keine Wassermelonen
Himbeersträucher verschwunden, kein Feigenbaum mehr
Fast in jedem Haus fremde Leute wohnen
Keiner weiß mehr, von welchem „Viertel“ die Sirene
mahnt
Keiner kennt mehr des Kirchturms kleines Glöckchen
Keiner mehr da, der die gute Kuhmilch absahnt
Keiner kennt der Mohnblüte feines Röckchen
Keiner bindet sie mehr, seine eigenen Besen
Keine „Schmalztees“ strahlt mehr stolz, in jeder
Speis´
Alles nur noch „Es war einmal!“ und „Gewesen!“
Heimat auf deiner Kaul kein Eis mehr, kein Eis
Mit dem uralten Weidenkorb geht keiner mehr fischen
Keiner lernt mehr auf der Kaul, mit dem Stuhl, das Schlittschuhlaufen
Nirgendwo hörst du mehr den Speck im Maislaubofen
zischen
Heimatreichtum bleibt alles, was mit Geld nicht zu
kaufen
Kein blaues Papier mehr an den Fensterscheiben
Zur Kühle, wenn sie heiß, die heimatliche Sommerzeit
Gänse, Enten, nicht mehr bis abends in der Kaul
bleiben
Sie kommt nie wieder, diese naturverbundene Zeit
Nie mehr kuscheln sie sich aneinander
Die frisch geschlüpften Küken, im Lieschen-Korb,
geflochten von Hand
Wir brauchten keine Luxusschiffsreise, keinen Zander
Wir waren glückliche Kinder - ob Kaul, Hutwett,
Gassengraben oder Sand
Nie mehr stehe ich unter dem Schwalbennest
Um zu bewundern, diese einzigartigen Schwalbenkinder
Den Fleiß ihrer Eltern. Jede Fliege, für die Kleinen
ein Fest
Nie mehr streichle ich die Eisblumen am Fenster, im eisigen
Winter
Nie mehr gibt es diese Heimatidylle wieder
Die ich in meinem Elternhaus, zu jeder Jahreszeit
gelebt, gespürt
Nie mehr atme ich den Duft vom weißen Flieder
Meine Erinnerung mich eben heim, nach Hause führt
Mein Elternhaus, meine Heimat, diese endlosen Weiten
Sitte und Brauch, Kaul, Hutwett, reiches Feld
Alles, alles, als ob nur eine Welle ewiger Gezeiten
Es tut mir so leid um dich, du meine Heimat, mein
Hatzfeld
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
31.08.2012

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