Montag, 13. Juli 2020

Heimat, deine Vergänglichkeit


















Foto:©Elisabeth Anton


Heimat, deine Vergänglichkeit                                

Es tut mir leid um dich, du mein Hatzfeld





Kein Mais-Schroter mehr im Schuppen zu hören

Keine blühenden Akazien mehr vor dem Schweinestall

Was können Diktaturen so alles zerstören

Bringen das Volk, ein reiches Land, alles, zu Fall



Im Brunnen spiegelt sich der Mond nicht mehr

In kühler Tiefe schwimmen keine Wassermelonen

Himbeersträucher verschwunden, kein Feigenbaum mehr

Fast in jedem Haus fremde Leute wohnen



Keiner weiß mehr, von welchem „Viertel“ die Sirene mahnt

Keiner kennt mehr des Kirchturms kleines Glöckchen

Keiner mehr da, der die gute Kuhmilch absahnt

Keiner kennt der Mohnblüte feines Röckchen



Keiner bindet sie mehr, seine eigenen Besen

Keine „Schmalztees“ strahlt mehr stolz, in jeder Speis´

Alles nur noch „Es war einmal!“ und „Gewesen!“

Heimat auf deiner Kaul kein Eis mehr, kein Eis



Mit dem uralten Weidenkorb geht keiner mehr fischen

Keiner lernt mehr auf der Kaul, mit dem Stuhl, das Schlittschuhlaufen

Nirgendwo hörst du mehr den Speck im Maislaubofen zischen

Heimatreichtum bleibt alles, was mit Geld nicht zu kaufen



Kein blaues Papier mehr an den Fensterscheiben

Zur Kühle, wenn sie heiß, die heimatliche Sommerzeit

Gänse, Enten, nicht mehr bis abends in der Kaul bleiben

Sie kommt nie wieder, diese naturverbundene Zeit



Nie mehr kuscheln sie sich aneinander

Die frisch geschlüpften Küken, im Lieschen-Korb, geflochten von Hand

Wir brauchten keine Luxusschiffsreise, keinen Zander

Wir waren glückliche Kinder - ob Kaul, Hutwett, Gassengraben oder Sand



Nie mehr stehe ich unter dem Schwalbennest

Um zu bewundern, diese einzigartigen Schwalbenkinder

Den Fleiß ihrer Eltern. Jede Fliege, für die Kleinen ein Fest

Nie mehr streichle ich die Eisblumen am Fenster, im eisigen Winter



Nie mehr gibt es diese Heimatidylle wieder

Die ich in meinem Elternhaus, zu jeder Jahreszeit gelebt, gespürt

Nie mehr atme ich den Duft vom weißen Flieder

Meine Erinnerung mich eben heim, nach Hause führt



Mein Elternhaus, meine Heimat, diese endlosen Weiten

Sitte und Brauch, Kaul, Hutwett, reiches Feld

Alles, alles, als ob nur eine Welle ewiger Gezeiten

Es tut mir so leid um dich, du meine Heimat, mein Hatzfeld



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                  31.08.2012

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