Montag, 13. Juli 2020

Mein Heimweh, bis zum letzten Erinnerungshauch

















Foto:©Elisabeth Anton

Mein Heimweh, bis zum letzten Erinnerungshauch                     





Im Hof steht der gute alte Brotbackofen nicht mehr

Die Katze sonnt sich nicht mehr auf dem Brunnenrand

Wo einst der Taubenschlag, alles nur noch kahl und leer

Keine Kinder spielen mehr, unter dem Aprikosenbaum, im Sand



Wo einst die geweißelten Schweineställe

Nur noch geebnete Erde, als ob dort nie etwas gewesen

Irgendwann pulsierte sie, diese Aussiedlungswelle

Einsam lehnt er noch am alten Holzpfosten, der letzte Besen



Im Vorgarten, keine Traubenspalier mehr zu sehen

Kein Brunnenrad dreht sich mehr fröhlich im Sonnenlicht

Um Lebensmittel muss man hier nicht stundenlang anstehen

Nur Heimat, Heimat die gibt es hier in der Fremde nicht



Hatzfeld, wo sind deine Menschen, wer schreibt deine Geschichte

Wer, wer hat so grausam dein Schicksal befohlen

Da helfen weder Romane, Lieder, noch Gedichte

Heimweh nach dir ist mein Herzschlag – ob laut, ob auf leisen Sohlen



Ich bin entsetzt, wie fremd deiner Gassen Gesicht

Wie grausam man deine Geschichte, über Jahrhunderte, manipuliert

Heimat, du mein Hatzfeld, vergessen kann ich nicht

Was unsere Jahrzehnte mir tief ins Herz eingraviert



Tief in mir, an jedem Tag, zu jeder Stunde

Mal schreit es laut, mal stumm und leise

Heimweh, meiner Jahrzehnte ewig blutende Wunde

Begleitet mich immer, auf eigene Art und Weise



Bilder ziehen vorbei, wie schönste Heimatgalerie

Menschen, Jahreszeiten, Sitten und Brauch

Du mein Hatzfeld, du bleibst meine Seelensymphonie

Bis er dir zuwinkt, der letzte Erinnerungshauch…



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                31.08.2012






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