Samstag, 25. Juli 2020

Schwalben, sie kamen jedes Jahr wieder, nach Hause zurück

















Foto:©Elisabeth Anton


Schwalben, sie kamen jedes Jahr wieder, nach Hause zurück   





Dort, ein Teilstück, von der Hauswand

Hat es sich sehr gezielt ausgesucht

Das Schwalbenpärchen. Es baut den ersten Rand

Von seinem Nest. Welch Glück gebucht



Diese kleinen Lehmpatzen so geschichtet

Dass majestätisch, dieses Kunstwerks Krönung

Lehmklümpchen zu Kunst, als ob ein Dichter dichtet

Welch schöne, welch ergreifende Erinnerung



Reihe um Reihe behutsam sie kleben

Bis die Form des Nestes sichtbar

Eine Halbkugel, als ob des Mondes Sichel die Öffnung

Auf dieses Schauspiel freute ich mich, Jahr für Jahr



Dann, plötzlich Stille eingekehrt

Die Schwalben brüten ihre Eier aus

Alles so harmonisch. Wer hat sie das gelehrt

Welch Wunder, ihr Nest zu bauen, ihr Zuhaus´



Plötzlich, es piept und zwitschert im Nest

Am Rand des Nestes, fünf Schnäbelchen sich geöffnet, synchron

Sie wussten, dass es bald Futter gibt. Welch Freudenfest

Für meine Geduld, mein Zuschauen, kam jetzt der Lohn



Ich erlebte ein Schauspiel, das einzigartig

Wie Schwalbeneltern ihre Jungen füttern, mit Fleiß und Hingabe

Schwalben daheim, in meiner Heimat, was ward´ ihr so einmalig

Aufs Feld hinaus flogen die Tauben, der Rabe



Diese kleinen Schnäbelchen, wie an einer Schnur gezogen

Öffneten sich im Gleichtakt, wenn ein Elternteil naht´

Wunder der Natur, als ob mit einem Pinselstrich gezogen

Wenn ein Schwalbenkind mal Hunger verspürt hat



Jeden Tag wurden sie größer, die Zeit vergeht

Schwalbenkinder lernen fliegen

Insekten fangen. Ein langer Weg vor ihnen steht

Wenn sie bald Richtung wärmere Länder fliegen



Dann, noch einmal dieses Bild, dieser elektrische Draht

Wo alle sich versammeln, sitzen dicht aneinandergereiht

Schwalbenwunder in meiner Heimat, welch tiefe Herzensnaht

Welch Erinnerung voller Kostbarkeit, wenn in der Heimat Schwalbenzeit

 

Dieses Bild wiederholt sich für kurze Zeit

Plötzlich, der ganze Schwalbenzug geht auf die Reise

Ich schau ihnen hinterher, voller Dankbarkeit

Weil ein Wunder erlebt – meine Schwalben daheim, fürsorglich, weise



Noch einige Tage suche ich am Morgen

Das Bild dort, dort auf dem elektrischen Draht

Das Schwalbennest leer, an jedem Morgen

Das Nest so traurig, so verlassen, weil es keine Wärme mehr



Schwalben kommen, bleiben, fliegen weit

Dem Kreislauf der Natur folgend, leben sie ihr Glück

Schwalbenkinder, welch Natureinzigartigkeit

Sie kommen im nächsten Jahr wieder, nach Hause zurück



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 26.06.2014










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