Sonntag, 9. August 2020

Letzte Heimaterinnerung

















Foto:©Elisabeth Anton


Letzte Heimaterinnerung                                   





Der Abend naht mit seiner schweigenden Dämmerung

Sonnenuntergang vollzogen, in farbenreicher Schönheit

Nun steht sie da, die einsame Erinnerung

Beschreibt Stunden gelebter Vergangenheit



Die Frau sitzt am Schwengelbrunnen, am Dorfrand

Auf ihrem uralten Stuhl, wie damals zu mancher Tageszeit

Erinnerungen reichen ihr die Hand

Ihre Tränen atmen Wirklichkeit



An diesem Brunnen, über Jahrhunderte getränkt

Tag für Tag, das Vieh – ob auf dem Weg ins Dorf, ob aufs Feld

Geschichte hat Heimat, Sprache und Brauchtum versenkt

Sie wird nie wiederkehren, diese schöne Heimatwelt



Am Schwengelbrunnen sitzt sie, bis in die Nacht

Erinnerungen lassen ihre Tränen funkeln. Der Mond weint

Was haben die Mächtigen sich nur dabei gedacht

Heimat zu vernichten. Warum Diktatur nicht vehement verneint



Der alte Schwengelbrunnen, wie lange er wohl noch steht

Wenn sie gestorben, kommt niemand mehr zu ihm hierher

Ihre Tränen fallen still. Heimatwind traurig über die Wiese weht

Auch diese letzte Heimaterinnerung gibt es bald nicht mehr



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

               17.05.2020


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