Foto:©Elisabeth Anton
Taschentücher
Erinnerungen aus der Heimat
Unsere
vielfältigsten Taschentücher
Alltagsgegenstand,
eine Philosophie für sich
Sorgfältig
behandelt, wie Bücher
Das war diese Gewohnheit,
einzigartig
Im alten Schubladenschrank
war ihr Zuhaus
Es gab die für
jeden Tag – oberste Schublade
Für den Sonntag
suchte man das schönste Taschentuch aus
Was beschützte
man sie alle, vor Fett, Obst und Marmelade
Jede Woche am
Waschtag, mit der Wäsche mitgekocht
Vorsichtig
gebügelt, immer ohne Falten
Und war mal
eines zerrissen, durchlocht
Stopfte man es,
mit Nadel und Zwirn, voller künstlerischem Gestalten
Es gab das
Taschentuch für jeden Tag
Dann jene, bei
Fieber Umschläge zu machen
Das Taschentuch
mit Spitzen war für den Sonntag
Ein Taschentuch
gehörte zu den wichtigsten Alltagssachen
Schien die Sonne
heiß vom Himmelszelt
Je einen Knoten
in jede Ecke gemacht
Wenn wir beim
Maishacken, draußen auf dem Feld
Da hat so ein
Taschentuch dir Schutz vor der Sonne gebracht
Dann gab es,
die ganz feinen, genau auserlesen
Beim Baden, den
Babys ihren Mund auszuwaschen
Ein
Taschentuch, so vielseitig, so wichtig gewesen
Brotkruste
darin eingebunden, gab man dem Kind zum Naschen
Dann gab es
noch das Spitzentaschentuch
Wundervoll
umhäkelt, als Stecktuch für den Brautanzug
So unheimlich
wertvoll war es, unser Taschentuch
Und jeder besaß
davon mehr als genug
Selbst mit
schwarzen Spitzen, schwarzem Rand
Extra so
gefertigt für den Trauerfall
Manchmal
verknotete man eine Ecke, mit der Hand
Um sich an
etwas zu erinnern, war Vergessen der Fall
Mit dem
Taschentuch, manchen Finger man zugebunden
Um das Bluten
einer Verletzung, auch Nasenbluten, zu stoppen
Selbst bei
einer Blase am Fuß, hat es Anwendung gefunden
Mehrmals
gefaltet, unter die Ferse, um weiteren Schmerz zu stoppen
Ja, und für die
Nase, da war es immer bereit
Auch mal Lippenstift
abzuwischen, manchmal
Unsere
Taschentücher, sie waren zu jeder Jahreszeit
Unentbehrlich, jahrein,
jahraus, von Fall zu Fall
Manche eigens
gekennzeichnet, manche nicht
Andere wieder
mit eigenem Monogramm versehen
„Sauber müssen
sie immer sein, wie das Sonnenlicht!“
Hat Großi immer
gesagt. „Da kannst du sehen
Sehen, ob die
Hausfrau auch fleißig und rein
Ein
Taschentuch, wie ein Spiegel von dir
Vergiss nie,
dein Taschentuch muss jeden Morgen ein reines sein
Dein
Taschentuch, immer eine Visitenkarte von dir.“
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
03.09.2012
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