Foto:©Elisabeth Anton
Das Schreiben damals, meine heimliche Freiheit
Der Tanz meiner Gedichte, im lodernden Flammenmeer
„Schreiben“, damals, in meiner Heimat Hatzfeld
Das war der Worte, der Gedanken „Aussprache-Verbot“
Abladen aufs Papier, jeglicher Wut über Diktaturen dieser Welt
Ein Hilfeschrei des Augenblicks, in seiner Erstickungsnot
„Schreiben“, das war meine Waffe, so hehr, so geheim
Diese ungerechte, sadistische Diktatur zu beschreiben
Beschimpfen, was unmenschlich, wütend und zornig sein
Weil meine Worte, „mein Geheimnis“, ewig unerkannt bleiben
Gedichte schreiben, zu dieser Diktaturzeit
Das war ein Ausweg, nicht zu versinken
In diesem Morast ideologischer Beschränktheit
Wo „Werte“, für diese Diktatur, zum Himmel stinken
Als „staatsfeindlich“ abgestempelt, das wurde man sehr schnell
Passte man nicht in „IHR Schema“ rein
Ob wahr, ob gelogen, sie stempelten dich zum „Genossen“ oder „Rebell“
Dann blieb nur eines, sehr, sehr vorsichtig zu sein
Die Zeitungen, was strahlten sie, täglich, diese Lügen aus
Überall „IHRE Seiten“, der Parteisitzungen vollständiger Inhalt
Zu dieser Zeit suchte ich mir Morpheus, den Gott des Traumes aus
Er hatte Sinn, Ziel, Weg, Wert und Gestalt
All diese Reden, mit tausenden Buchstaben beschrieben
Hatten nie ein greifbar ehrliches Ziel
Der wahre Sinn, immer im Dunkeln verblieben
Was spielten die, alle, ein so unmenschliches Spiel
Dieses abartig gedrillte Rudel
Von „Spitzeln“ – ob haupt- oder nebenberuflich
„Sie alle“, „alle“, wedelten wie ein glücklicher Pudel
Wenn der Ansturm des Diktators greifbar, gegenwärtig
Sadistisch ihre Methoden, sie schreckten vor nichts zurück
Viele des vollständigen Alphabets nicht mächtig
Ihre übelst riechenden Hälse streckten sie Stück um Stück
Alle nur „Kriecher des Diktators“, fernab jeglicher Bildung, ohne eigenes Ich
Das war, für viele der „Unfähigen“, ihre einzige Chance
„Zu kriechen“, wo kein Wind sein Hauch verloren
Sie glaubten sich „klug“, witterten auf Revanche
Doch auch ein Spitzel ward mal als Mensch geboren
Überall diese Angstverbreitung, diese Überwachungen
Vermeintlicher Feinde, die falsch gesinnt diesem Land
Sie überwachten, beschatteten Haus, Wohnung, Garten, Verandaüberdachungen
Sie hinterließen, über Jahrzehnte, den Stempel von „ihrem fehlenden Verstand“
Schreiben, das brachte mir unsichtbare Freiheit
Triumpf des Seins, für diese Diktatur unsichtbar
„Vorsicht!“, so hieß das Motto meiner Zeit
„Spitzel-Rudel“ stieg stetig an, von Jahr zu Jahr
Wir hatten „Glück“, in meiner Heimat Hatzfeld
Im Vergleich zu einem Großstadtrevier
Man wusste, „diese Minderheit“ erschuf einst Hatzfeld
Jeder kannte jeden, von da nach dort, von Tür zu Tür
Komma und Doppelpunkt, sie waren „vielen“ unbekannt
„Ausspionieren“, das war „deren“ Alltagsspiel
Kein wertvolles Ziel auf ihren Wegen benannt
Sie dachten noch, damit dienen sie einem Diktator, dessen Ziel
So manche Dummheit ihrer ausstrahlenden Arroganz
Immer und ewig sichtbar, „IHR“ Unvermögen
Manche erblindeten im eigenen „Tanz“
Noch nie begegnete mir so viel Unwissen, Beschränktheit, Unvermögen
„SIE“, „SIE“ beuteten ihr eigenes Volk aus
Man „fütterte“ „diese Meute“ aus eigenen Einkaufsläden
Bequem zu erreichen, im „eigenen Diensthaus“
Unbekümmert, wie groß des Landes Schäden
Was an der Grenze in Hatzfeld, bei der Miliz sich abgespielt
Das zeigte: „DIE, DIE sind zu allem fähig.“
Ganz selten ein Soldat mal, bewusst, danebengezielt
Weil tief in ihm, sein Herz auch ein Stück menschlich
Das weiß ich, aus meiner Zeit im Krankenhaus
Als ein Soldat mir erzählt, wie sehr er leidet
Weil er weiß, dass jeder ein Zuhaus
Dass jede Mutter weint, zutiefst leidet
Leidet, weil ihr Sohn erschossen von einem Soldaten
Das stimmte ihn, mehr als nur einmal, nachdenklich
Er musste gehorchen, wie alle Soldaten
Doch in der Nacht, da machte er sich nie „schuldig“
Er schoss daneben, hoffte so sehr
Dass keiner diese seine Tat mitangesehen
Das hieße für ihn „Verrat“, kein Lächeln mehr
Dann wäre es auch um ihn, für immer, geschehen
DIE, DIE quälten selbst „ihre eigenen Leute“, skrupellos, grausam
Wer nicht gefügig, der musste leiden
Schlimm war nicht, dass die Soldaten nachts auf dem Feld einsam
Schlimm war, konnten sie manches nicht vermeiden
Man konnte sich nur selten auf „den Freund“ verlassen
Weil auch er von „Urlaub bei seinen Lieben“ geträumt
Das war sie, diese Diktatur, in allen Gassen
Wehe, es hat einer mal zu schießen versäumt
Vieles hat dieser erkrankte Soldat mir erzählt
Er stammte aus einem sehr menschlichen Elternhaus
Ich hätte mir „Hatzfeld“ nie ausgewählt
„Menschen fangen, erschießen, für ein paar Urlaubstage zuhaus.“
Nur, solche Soldaten, diese Menschen waren mehr als „rar“
Er, er hat auch Komma und Doppelpunkt gekannt
Manche Tragödien an dieser Grenze, Jahr für Jahr
Zu viele verloren ihr Leben, weil sie es verlassen wollten, dieses Land
Die Quellen „dieser Apparatur“
Sind bis heute nicht versickert, so glaube ich
Meine Zähne fletschen, denke ich an diese Diktatur
Dieser Parteifunktionäre ideologische Inkontinenz, bis heute erschüttert sie mich
Mein Schreiben, meine heimliche Kraftquelle
Unausgesprochene Gedanken brachte ich zu Papier
Mein Schreiben, ein Teil meiner Überlebenswelle
Vor allem, wenn ich wieder „geladen“ war, allein, vor oder hinter „dieser Tür“
Egal was „SIE“ getan, in all den Jahren
„SIE“ näherten sich nie der Vollkommenheit
Vielen die Flucht gelungen, trotz aller Gefahren
Flohen die Menschen über die Grenze, bewiesen ihre Überlegenheit
Und als es dann der Gedichte zu viel
Zu klar, zu ehrlich, meine ewige Direktheit
Warnte er mich, mein Großvater: „Pass auf, das ist ein sehr gefährliches Spiel
Wenn „SIE“ das finden, kümmern „DIE“ sich um deine Sicherheit
Wir können diese großen Kisten
Nicht ewig mal da, mal dort vergraben
Wenn „DIE“ sich mal in den Fähigkeiten „einnisten“
Kannst du jede Hoffnung nach Freiheit begraben
Wir müssen, so leid es mir tut, deine Gedichte verbrennen
Glaube mir, du begibst dich in größte Gefahr
Das ist kein Karussell, kein Schlittenrennen
Sei vorsichtig! Diese Gefahr ist zu wahr.“
Dann saßen wir beide, still im Schweigen
Vor dem Kessel im Schuppen, welch wärmende Glut
Uns berührte. Meine Gedichte sich angstfrei den Flammen zeigen
Großvater war traurig: „Ich weiß, dazu gehört jetzt Mut
Du darfst aber dein Leben nicht gefährden, nie
Weil so erreichst du die ersehnte Freiheit nicht.“
Welch Flammentanz! Meine Gedichte, welch Kraftgenie
Stumm wurden sie zu Asche, im lodernden Flammenlicht
Ja, schreiben damals, zu jener Zeit
Als ein Eiserner Vorhang das Land eingehüllt
Gab mir das Schreiben, eine Geborgenheit
Die mir niemand nehmen konnte, die mir Träume erfüllt
Diese ideologische Inkontinenz, damals, aus jedem Raum
Diese Verwahrlosung des eigenen Volkes, dieser Unfähigkeitswahn
Ich wünschte, das alles wäre nur ein Traum
Als ich angelehnt, dort am alten Baum, dort an der „Neuen Bahn“
Erinnerung, du hast mich so eben aufgewühlt
Diese Stunden kochten hoch, sie waren kein Traum
Mein Schreiben damals, es hat gelitten, gefühlt
Wie einengend, barbarisch, sadistisch, dieser Diktaturraum
Auch wenn sie alle so hilflos verbrannt, zehntausende Zeilen
Es war bestimmt richtig, ich lebte danach ohne Angst vor dieser Gefahr
Ich sehe sie heute noch, wie tausende meiner Gedichte in den Flammen verweilen
Nichtahnend, wie traurig und ausweglos ich damals war
Damals, damals war das Schreiben meine heimliche Freiheit…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
15.01.2013
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