Foto:©Elisabeth Anton
Sie kamen alle zu spät, Großmutter konnte ihre Rosen nicht mehr sehen
Das Dorf am Fuße der Berge
Wie eine traumhafte Märchenzeit
Wo einst Adler und Schwalben, Riesen und Zwerge
Zuhause waren, seit sehr langer Zeit
Glückliche Kinder schauten durchs Fenster, wie der Schnee
Haus, Hof, Garten und Dorf in ein Märchen verwandelt
Sie sitzt allein am Fenster, spürt nur, es tut weh
Wie man sie mit Ignorieren behandelt
Alle leben ihr Leben, genießen ihre Zeit
Auf Großmutter vergessen, kommen nicht mehr zu ihr
So viele Jahre schon weint sie, wartet auf sie, doch die Zeit
Ließ sie allein. Seit heute verschlossen ihre Tür
Heute trug man ihren Sarg zum Friedhof hin
Sie schläft den Schlaf der Ewigkeit
Wo liegt das Glück, wo des Lebens Sinn
Kinder, Enkel, Urenkel, stehen vor dem stummen Grab, ihre Tränen zu spät
Zu spät, sie sind alle zu spät gekommen
Sie haben vergessen, wo sie einst Glück gelebt, Großmutters wärmende Umarmung
Vergebens, all die Rosen in ihre Hände genommen
Der Sarg schweigt, Großmutter so lange gewartet, mit ihrer Liebe voller Hoffnung
Zu spät, sie sind alle zu spät gekommen
Großmutter hat jeden Tag auf sie gewartet
Jetzt, jetzt ist alles zu spät
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
05.12.2022
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