Samstag, 14. Januar 2023

Sie kamen alle zu spät, Großmutter konnte ihre Rosen nicht mehr sehen


 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Sie kamen alle zu spät, Großmutter konnte ihre Rosen nicht mehr sehen

 

 Das Dorf am Fuße der Berge

Wie eine traumhafte Märchenzeit

Wo einst Adler und Schwalben, Riesen und Zwerge

Zuhause waren, seit sehr langer Zeit

 

Glückliche Kinder schauten durchs Fenster, wie der Schnee

Haus, Hof, Garten und Dorf in ein Märchen verwandelt

Sie sitzt allein am Fenster, spürt nur, es tut weh

Wie man sie mit Ignorieren behandelt

 

Alle leben ihr Leben, genießen ihre Zeit

Auf Großmutter vergessen, kommen nicht mehr zu ihr

So viele Jahre schon weint sie, wartet auf sie, doch die Zeit

Ließ sie allein. Seit heute verschlossen ihre Tür

 

Heute trug man ihren Sarg zum Friedhof hin

Sie schläft den Schlaf der Ewigkeit

Wo liegt das Glück, wo des Lebens Sinn

Kinder, Enkel, Urenkel, stehen vor dem stummen Grab, ihre Tränen zu spät

 

Zu spät, sie sind alle zu spät gekommen

Sie haben vergessen, wo sie einst Glück gelebt, Großmutters wärmende Umarmung

Vergebens, all die Rosen in ihre Hände genommen

Der Sarg schweigt, Großmutter so lange gewartet, mit ihrer Liebe voller Hoffnung

 

Zu spät, sie sind alle zu spät gekommen

Großmutter hat jeden Tag auf sie gewartet

Jetzt, jetzt ist alles zu spät

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                   05.12.2022

 

 

 

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