Foto:©Elisabeth Anton
Da, da war noch die Mutterliebe
Die Liebe einer Mutter, welch einzigartiger Edelstein
Sie erreicht alles, was andere längst aufgegeben
Wie traurig, endlos traurig, muss das Herz einer Mutter sein
Wenn sie kämpfen muss, dass ihr Kind akzeptiert, dass es ein glückliches Leben
Vollgestopft mit Neuroleptika, damit „SIE“ ihre Ruh´
Was waren dies Fremdwörter, in diesem Heim, die Liebe, die Zuneigung
Früh am Abend fielen die Rollläden runter, zu
Abgeschoben, Menschenverachtung gab es statt Umarmung
Alle schauten zu, alle wollten zu ihrer Dienstzeit nur ihren Frieden
Vollgestopft mit Neuroleptika, einer nach dem anderen, das störte nicht
Wut konnte nicht aufleben, nicht wie Wasser sprudelnd sieden
Wenn, dann Medikation erhöht, am Abend früh zu Bett, ohne Umarmung, ohne Licht
So viele Jahre musste R sich beugen
Und wir, wir weinten, hatten nie Glück zur „Revanche“
Die Mächte der Betreuer sich immer stärker und brutaler zeigen
Unser Reden, Erklären, unsere Menschlichkeit, hatten da keine Chance
Aber da, da war noch die Liebe, einer Mutter Herz
Ihr „Kampfeswille“, ihre Liebe zu ihrem Kind
Diese „Neuroleptika ohne Diagnose“, das war kein Scherz
Immer und immer wieder verstärkte er sich, der Gegenwind
Ich habe gekämpft, geglaubt, gehofft auf Gerechtigkeit
Ich rief zum Himmel hoch, Gnade und Recht ergehen zu lassen
Medikamente erhöhen, war der Betreuer wichtigste Zeit
Damit abends bald Ruhe, im Heim, in den Gassen
Ich gab die Hoffnung nie auf, nie
Mein ganzes Leben geprägt, immer, von Ehrlichsein
Was Radegunde man angetan, erlebt nicht mal das Vieh
Man ließ sie, Jahre, gedemütigt, ungerecht behandelt, in ihrem Zimmer mit sich allein
Was hat unser Kind nicht alles überlebt, durchgemacht
Standgehalten, dieser Medikation ohne Diagnose
Irgendwann, irgendwann zeigte der Zufall seine Macht
Und vom Himmel fiel, für Radegunde, eine Rose
Ich hob sie auf, hüllte sie in meinem Vaterunser ein
Ich atmete tief und ging vorwärts, in dieser Tragödie von Lügen, Dasein, Vegetieren
Der Himmel muss mächtig und allmächtig sein
Damit endlich schöne Stunden Radegundes Alltag zieren
Ich setzte alles auf eine Karte. Das Leben wechselte die Richtung
Ich gab nicht auf. Ich kämpfte gegen sinnlose Neuroleptika, seltsame Spielregel
Ich glaubte an die Gerechtigkeit, rief nach Hoffnung
Und siehe da, das Boot der Wahrheit bekam Segel
Alles, alles nahm eine große Wende, der Himmel bei mir
Sie war nicht leicht, diese sich plötzlich ergebende Entscheidung
Ich blieb stark, auf der Seite der Wahrheit, wechselte nicht ins Lügenrevier
Kämpfen sich gelohnt, für mein Kind, für Menschlichkeit, Wahrheit, Hoffnung
Plötzlich, plötzlich, von jetzt auf nachher
Stand ich kurz vor dem ersehnten Sieg für mein Kind
Plötzlich gab es für Radegunde keinerlei Neuroleptika mehr
Endlich, endlich wehte der Gerechtigkeit edler Wind
Weil die Liebe einer Mutter sich nicht gebeugt
Den unmenschlichen Spielregeln in einem „Behindertenwohnheim“
Blüht unser Kind auf. Nach und nach kehrt sie wieder. Mein Herz gebeugt
Vor Ehrfurcht, der Macht einer Mutterliebe, dass hilfloser Mensch „Mensch“ darf sein
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
20.08.2009
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