Dienstag, 10. Dezember 2024

Da, da war noch die Mutterliebe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Da, da war noch die Mutterliebe                                                 

 

Die Liebe einer Mutter, welch einzigartiger Edelstein

Sie erreicht alles, was andere längst aufgegeben

Wie traurig, endlos traurig, muss das Herz einer Mutter sein

Wenn sie kämpfen muss, dass ihr Kind akzeptiert, dass es ein glückliches Leben

 

Vollgestopft mit Neuroleptika, damit „SIE“ ihre Ruh´

Was waren dies Fremdwörter, in diesem Heim, die Liebe, die Zuneigung

Früh am Abend fielen die Rollläden runter, zu

Abgeschoben, Menschenverachtung gab es statt Umarmung

 

Alle schauten zu, alle wollten zu ihrer Dienstzeit nur ihren Frieden

Vollgestopft mit Neuroleptika, einer nach dem anderen, das störte nicht

Wut konnte nicht aufleben, nicht wie Wasser sprudelnd sieden

Wenn, dann Medikation erhöht, am Abend früh zu Bett, ohne Umarmung, ohne Licht

 

So viele Jahre musste R sich beugen

Und wir, wir weinten, hatten nie Glück zur „Revanche“

Die Mächte der Betreuer sich immer stärker und brutaler zeigen

Unser Reden, Erklären, unsere Menschlichkeit, hatten da keine Chance

 

Aber da, da war noch die Liebe, einer Mutter Herz

Ihr „Kampfeswille“, ihre Liebe zu ihrem Kind

Diese „Neuroleptika ohne Diagnose“, das war kein Scherz

Immer und immer wieder verstärkte er sich, der Gegenwind

 

Ich habe gekämpft, geglaubt, gehofft auf Gerechtigkeit

Ich rief zum Himmel hoch, Gnade und Recht ergehen zu lassen

Medikamente erhöhen, war der Betreuer wichtigste Zeit

Damit abends bald Ruhe, im Heim, in den Gassen

 

Ich gab die Hoffnung nie auf, nie

Mein ganzes Leben geprägt, immer, von Ehrlichsein

Was Radegunde man angetan, erlebt nicht mal das Vieh

Man ließ sie, Jahre, gedemütigt, ungerecht behandelt, in ihrem Zimmer mit sich allein

 

Was hat unser Kind nicht alles überlebt, durchgemacht

Standgehalten, dieser Medikation ohne Diagnose

Irgendwann, irgendwann zeigte der Zufall seine Macht

Und vom Himmel fiel, für Radegunde, eine Rose

 

Ich hob sie auf, hüllte sie in meinem Vaterunser ein

Ich atmete tief und ging vorwärts, in dieser Tragödie von Lügen, Dasein, Vegetieren

Der Himmel muss mächtig und allmächtig sein

Damit endlich schöne Stunden Radegundes Alltag zieren

 

Ich setzte alles auf eine Karte. Das Leben wechselte die Richtung

Ich gab nicht auf. Ich kämpfte gegen sinnlose Neuroleptika, seltsame Spielregel

Ich glaubte an die Gerechtigkeit, rief nach Hoffnung

Und siehe da, das Boot der Wahrheit bekam Segel

 

Alles, alles nahm eine große Wende, der Himmel bei mir

Sie war nicht leicht, diese sich plötzlich ergebende Entscheidung

Ich blieb stark, auf der Seite der Wahrheit, wechselte nicht ins Lügenrevier

Kämpfen sich gelohnt, für mein Kind, für Menschlichkeit, Wahrheit, Hoffnung

 

Plötzlich, plötzlich, von jetzt auf nachher

Stand ich kurz vor dem ersehnten Sieg für mein Kind

Plötzlich gab es für Radegunde keinerlei Neuroleptika mehr

Endlich, endlich wehte der Gerechtigkeit edler Wind

 

Weil die Liebe einer Mutter sich nicht gebeugt

Den unmenschlichen Spielregeln in einem „Behindertenwohnheim“

Blüht unser Kind auf. Nach und nach kehrt sie wieder. Mein Herz gebeugt

Vor Ehrfurcht, der Macht einer Mutterliebe, dass hilfloser Mensch „Mensch“ darf sein 

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 20.08.2009

 

 

 

 

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