Foto:©Elisabeth Anton
Die vergessenen
Deutschen
Wir waren vergessen
Wir blieben vergessen
Nur, wenn es um die Früchte unseres Fleißes ging
Dachte man an unsere Fähigkeiten
Wir waren vergessen
Wir blieben vergessen
Nur, wo es um Soldaten für den Krieg die Rede
Da mussten wir, die Unschuldigen, an die Front
Wir waren vergessen
Wir blieben vergessen, über Generationen
Nur, wo man neue Arbeitskräfte gebraucht
Dann, dann dachte man auch an uns
Über viele Jahrzehnte waren wir vergessen
Nach Jahrhunderteflucht und Vertreibung
Vergessen, einfach vergessen
Skrupelloser, fremder Diktatur ausgesetzt
Plötzlich, plötzlich Aussiedlung, alles aufgeben
Alles musste weg, Haus musste besenrein sein
Demütigung, Heimatverlust, alles für die Freiheit
Um in Freiheit, endlich in Freiheit zu leben
In der Freiheit angekommen
Waren wir die Fremden, die Aussiedler
Während viele, sehr viele, die Geschichte der Deutschen in Rum nicht mal gekannt
Keine Ahnung, warum im Banat, einst dreigeteilt, Deutsche gelebt
Wieder Demütigung, nur durch die einfachsten Fragen
„Woher können Sie Deutsch? Wieso sprechen Sie Deutsch?“
Keine Ahnung, manch einer, was unsere Geschichte betrifft
Kaum einer wusste, woher wir kamen, warum wir dort angesiedelt waren
Wir wollten weder diese Aussiedlung
Wir wollten den 2. WK nicht
Wir lebten damals noch außerhalb von Deutschland
Wir wollten weder den 2. WK noch seine Millionen Toten
Aber immer waren wir „die Schuldigen“, im Fass der Mehrheit
Immer bestraft, beschuldigt, beleidigt, für die deutsche Geschichte
Obwohl wir außerhalb Deutschlands geboren, gelebt
Wir waren vergessen, immer wieder vergessen
Nur, für die Front, Aussiedlung der Arbeitskräfte, da hat man „auch an uns“ gedacht
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
12.06.2024

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