Foto:©Elisabeth Anton
Ich musste mich entscheiden
Wenn Alzheimer dein Schicksal wird
Meinetwegen musste noch niemand „das Handtuch werfen“
Manchmal merkt man, sie scheint falsch gewesen, meines Lebens Ehrlichkeit
Statt „anzuklagen“, versuchte ich immer alles „zu entschärfen“
Was ist nur aus den Leuten geworden, aus dieser Menschheit
Ich lass mich nicht mehr auf meine Unordnung im Haus „reduzieren“
Ich lass nicht mehr zu, dass „Fremde" über unser Sein, unser Haus urteilen
Ein Instrument kann immer nur auf eigenen Tasten musizieren
Und ich? Ich kann Ordnung zelebrieren oder mit meinen Lieben verweilen
In „meinem“ Alltag fälle ich eine klare Entscheidung
Weil mein Tag mir nur einmal seine 24 Stunden schenkt
Sie erdrückt mich wohl, diese noch nie dagewesene Unordnung
Aber, mein Leben, meine Tage, noch immer von der Liebe zu den Meinen gelenkt
Ich musste meinen Mann pflegen, hegen, ich muss meinem Kind Glück schenken und Umarmung
Ich muss alles tun, damit „ihre Stunden“ voller Freude und Zufriedenheit
Ich spüre meine Kraft, wie sie mich trägt, Richtung Hoffnung
Daher entschied ich mich: Mein Leben, mein Tun, es gehört meinen Lieben, „unserer Zeit“
Jede Bewegung, jedes Tun, meine Kraft, meine Gedanken- und Gefühlswelt
Gehörten meinem Mann, gehören meinem Kind. Sie brauchten mich, rund um die Uhr
Egal was ich erlebt, ich habe immer Ehrlichsein gewählt
Auch wenn manch einer mich gezwängt in eine „falsche“ Spur
Ich habe viel ertragen, geduldet, übersehen
Alles hat seine Grenzen, auch für mich. Ehrlichkeit, nicht wie Mode zu entwerfen
Mein Weg war immer gerade, und so will ich weitergehen
Meinetwegen musste noch niemand „das Handtuch werfen“
Ich lass mich nicht mehr auf meine Unordnung im Haus „reduzieren“
Wer nicht weiß, was Alzheimer ist, der versteht sie nicht, diese Schicksalsmelodie
Ich erwarte Verständnis, keine Demütigung, kein heimliches Provozieren
Meinetwegen musste noch niemand „das Handtuch werfen“. Noch nie
Meine Liebe, meine ganze Zeit, sie gehörten meinem Mann, gehören meiner Tochter
Weil beide mich gebraucht, brauchen, rund um die Uhr
Meine Liebe, meine Zeit, sie gehören ihnen immer, rund um die Uhr
Aufräumen kann ich später...
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
13.08.2009