Freitag, 15. Mai 2026

Ich musste mich entscheiden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton 

 

 

Ich musste mich entscheiden                             

Wenn Alzheimer dein Schicksal wird

  

Meinetwegen musste noch niemand „das Handtuch werfen“

Manchmal merkt man, sie scheint falsch gewesen, meines Lebens Ehrlichkeit

Statt „anzuklagen“, versuchte ich immer alles „zu entschärfen“

Was ist nur aus den Leuten geworden, aus dieser Menschheit

 

Ich lass mich nicht mehr auf meine Unordnung im Haus „reduzieren“

Ich lass nicht mehr zu, dass „Fremde" über unser Sein, unser Haus urteilen

Ein Instrument kann immer nur auf eigenen Tasten musizieren

Und ich? Ich kann Ordnung zelebrieren oder mit meinen Lieben verweilen

 

In „meinem“ Alltag fälle ich eine klare Entscheidung

Weil mein Tag mir nur einmal seine 24 Stunden schenkt

Sie erdrückt mich wohl, diese noch nie dagewesene Unordnung

Aber, mein Leben, meine Tage, noch immer von der Liebe zu den Meinen gelenkt

 

Ich musste meinen Mann pflegen, hegen, ich muss meinem Kind Glück schenken und Umarmung

Ich muss alles tun, damit „ihre Stunden“ voller Freude und Zufriedenheit

Ich spüre meine Kraft, wie sie mich trägt, Richtung Hoffnung

Daher entschied ich mich: Mein Leben, mein Tun, es gehört meinen Lieben, „unserer Zeit“

 

Jede Bewegung, jedes Tun, meine Kraft, meine Gedanken- und Gefühlswelt

Gehörten meinem Mann, gehören meinem Kind. Sie brauchten mich, rund um die Uhr

Egal was ich erlebt, ich habe immer Ehrlichsein gewählt

Auch wenn manch einer mich gezwängt in eine „falsche“ Spur

 

Ich habe viel ertragen, geduldet, übersehen

Alles hat seine Grenzen, auch für mich. Ehrlichkeit, nicht wie Mode zu entwerfen

Mein Weg war immer gerade, und so will ich weitergehen

Meinetwegen musste noch niemand „das Handtuch werfen“

 

Ich lass mich nicht mehr auf meine Unordnung im Haus „reduzieren“

Wer nicht weiß, was Alzheimer ist, der versteht sie nicht, diese Schicksalsmelodie

Ich erwarte Verständnis, keine Demütigung, kein heimliches Provozieren

Meinetwegen musste noch niemand „das Handtuch werfen“. Noch nie 

 

Meine Liebe, meine ganze Zeit, sie gehörten meinem Mann, gehören meiner Tochter

Weil beide mich gebraucht, brauchen, rund um die Uhr 

Meine Liebe, meine Zeit, sie gehören ihnen immer, rund um die Uhr

Aufräumen kann ich später... 

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 13.08.2009

 

 

 

 

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