Foto:©Elisabeth Anton
Demenz, das grausame Vergessen
Demenz
Das ist die Krankheit des Grauens
Wo Gedanken verschwinden, ohne, dass man es will
Wo man nicht mehr weiß, wie man sich kleidet
Demenz
Einfach nur grausam, herzzerreißend
Wenn man sieht, dass der Mensch dich nicht mehr erkennt
Nicht mehr weiß, wer seine Familie
Demenz
Wenn du nicht mehr weißt, wo du bist, keine Orientierung mehr hast
Nicht mehr weißt, was du eben gesprochen
Deine große Liebe nicht mehr erkennst, nicht mehr weißt, dass es deine Frau ist
Demenz
Wenn du nicht mehr weißt, dass du lebst
Dass deine Gedanken nicht mehr funktionieren, wie das mal war
Ob das Wetter kalt oder warm
Demenz
Die grausamste Veränderung eines Menschen
Der nicht mehr weiß, was er isst, wann er satt ist
Warum es sehr schwer, für all die Beteiligten
Demenz
Das Grauen für all deine Lieben
Die nicht mehr genau wissen, was du noch weißt, fühlst, ob du noch Träume hast
Die nur sehen, wie deine Gedanken verschwinden, du, ein anderer geworden
Demenz
Sie kann sich über Jahrzehnte hinziehen, bricht deinen Lieben das Herz
Ihr Fortschreiten auch mal „im Schneckentempo“
Bis, plötzlich, alles, alles dahin, ein Mensch, ohne es zu wollen, einfach dahinbröckelt
Demenz
Das spürbare Grauen, der tiefe Schmerz
Wenn der Mensch nicht mehr sieht, dass er mit verlorenem Gedächtnis lebend
Ohne es zu sehen, ohne es zu wollen, langsam dem Tod in die Arme gelegt
Und der ganze Schmerz
Getragen von deinen Lieben, die rund um die Uhr für dich da
Mitansehen mussten, dass Demenz das Tor zum grausamsten Vergessen
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
24.09.2026