Freitag, 6. Juli 2018
Es blieb mir nur ein Koffer...
Es blieb mir nur ein Koffer…
Aussiedlungstag - 13. Juli 1980, Curtici
Wartend, am Bahnhof zur lang ersehnten Freiheit
Verfrachtet, in einem stinkenden, dreckigen Raum
Tote Fliegen auf der Fensterbank. Angst regierte Luft und Zeit
Hoffnung zugleich, dass bald erfüllt mein Traum
Auf dem Weg in die lang ersehnte Freiheit
Heimat, Nachbarn, Freunde, alles verloren
Eingepackt in einem Koffer nur, die gelebte Zeit
Erinnerungsschätze aus der Heimat, seit ich geboren
Nun stand ich da, erstickt, stumm, in Gedanken gehüllt
Die auch jetzt, wie zu allen Zeiten, nur mir allein gehörten
Ob sich mein ewiger Traum bald erfüllt
Freiheit zu leben, ohne Stacheldrahtgrenzen, die nur zerstörten
Auf meinen halb entleerten Koffer richtet sich mein Blick
Das, dort drin, das ist alles was mir geblieben
Von einem Leben voller Fleiß, Heimatliebe. Denke zurück
An Gründe und Ursachen, die mich aus der Heimat vertrieben
Der Zug nimmt langsam aber sicher Fahrt
Ein Existieren mit der Angst, zwischen Diktatur und Freiheit
Verlassen, verzweifelt steht er da, mein Koffer, der alles bewahrt
Was einst Heimat von Generationen, ihre reich getränkte Lebenszeit
Das war alles, alles was mir von Heimat, Lebensjahrzehnte geblieben
In nur einem Koffer, der wie verstummt, einsam vor mir dasteht
Wegen Freiheitswunsch, einfach aus der Heimat vertrieben
„Es war einmal!“ - unsichtbar geschrieben, auf meinem Koffer steht…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
13.08.2016
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