Die Bettlerin am Domportal
Mein Weg führt mich heute zur Kathedrale
Meine Tränen verwischen Sinn von Augenblick und Sein
Mein Atem stockt. Mit einem Male
Ist die Bettlerin am Domportal nicht mehr allein
Ich setze mich zu ihr, spüre meine Tränen
Die Sonne strahlt mit spürbarer Macht
Kann weder Namen noch Ohnmacht erwähnen
Sehe die Menschenmenge. Woran die wohl gedacht
Lege der Bettlerin vor dem Domportal
Einen Geldschein in ihre zitternde Hand
Zu sehen, so scheint´s, dass „Mensch sein“ eine Qual
Selten, noch einer die Bettlerin sieht. Welch Schand´
Sie schaut mich an, ihre Tränen glänzen im Morgensonnenlicht
Ich ersticke fast an der Dombesucher Gleichgültigkeit
Menschen sehen die Tragödie auf den Treppen am Domportal nicht
Als ob sie längst begraben, jegliche Menschlichkeit
Eine Weile sitze ich auf diesen Treppen, neben der Bettlerin
Zitternd ihre Hände, gezeichnet von unheilbarer Krankheit
Vor meinen Augen zieht die Herzlosigkeit einer „Zivilisation“ dahin
Die noch nicht erkannt, was Sinn, Weg, Ziel, einer wertvollen Lebenszeit
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
10.06.2019
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