Freitag, 20. September 2019

"Mir geht es gut" - sagte sie immer, eine Mutter


















 Foto:©Elisabeth Anton

 


„Mir geht es gut“ - sagte sie immer, eine Mutter  




Nur geschuftet, gespart – von früh bis spät

So oft lag sie wach, die ganze Nacht

Während jeder abends sorglos zu Bett geht

Hat sie bei ihrem Kind, immer, gewacht



Sie hat es aus Liebe geboren

Trug es unter ihrem Herzen, eine lange Zeit

Sie hat keinen Augenblick versäumt, verloren

Weil ihr Kind ihr Sonnenlicht, ihre Lebenszeit



Sie hat gerackert, auf so vieles verzichtet

Tag und Nacht für ihr Kind da, rund um die Uhr

Sie hat nie geschimpft, nie gerichtet

Sie lenkte ihren Engel, immer, in die wohltuendste Spur



Kaum eine Nacht geschlafen, aber immer bereit

Nie geklagt, nie gejammert, nie unzufrieden

Für sie immer klar: Meinem Kind gehört all meine Zeit

Meine Liebe, meine Umarmung, mein Seelenfrieden



Über viele Jahrzehnte merkte sie nie

Dass es auch ihr ICH stets gegeben

Ihre Noten spielten nur für ihres Kindes Glücksmelodie

Sie opferte alles, damit glücklich ihres Engels Leben



Wenn man sie gefragt, sagte sie immer wieder

„Mir geht es gut, bin zufrieden und dankbar.“

Viele Jahrzehnte blühte er immer wieder, der Flieder

Bis es eines Tages schneeweiß, ihr Haar



Das entdeckte sie, eines Abends, im Spiegel

Erinnerungen wortlos aufgerollt, in ihrer Gedankenwelt

„Mein Leben, welch wunderbarer Brief, mit Roman und Siegel.“

Mir geht es gut“, sagte sie. Dann, dann ihr letzter Vorhang fällt…



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

             20.03.2019




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