Sonntag, 8. September 2019

Wunder der Erde, wenn mein Heimweh über Hatzfeld schaut


  














 Foto:©Elisabeth Anton



Wunder der Erde, wenn mein Heimweh über Hatzfeld schaut          


Hatzfeld! Sie lassen mich nicht los, meine Gedanken an dich
Sehe deine Gassen, den Heiligen Florian, Kirche, Kapelle, den Friedhof vor mir
Ich sehe die Kanalbrücke Richtung Rapova1, deine Felder so unendlich
Ich stehe, wo das „alte Pumphaus“ mal war und weine nach dir

Es gibt Erinnerungen, die kann man nicht löschen, nie
Es gibt Jahre, Stunden im Leben, die tragen dich auf ihren Händen
Bis zum Schluss höre ich sie in mir, meiner Seele Heimwehmelodie
Elternhaus, die alten Bilder, sie erzählen Geschichten, an schweigenden Wänden

Ich sehe den alten Korb, mit körnerlosen Maiskolben, unter dem Sparherd stehen
Ich sehe auf dem Dachboden die hölzerne „Molder“2 mit Fleisch darin
Gesalzen, bald „reif“ für den Selcher. Meine Schritte leise zum Hofgiebel gehen
Damit die Tauben nicht erschrecken. Heimat, mein Sehnen gehört dir, mein Sinn

Ich sehe, wie Großi3 im Feuerloch alles vorbereitet, für den kommenden Tag
Zuerst die Asche weg, dann zerknülltes Zeitungspapier, dann Kleinholz drüber
Im Ofenrohr schon die Äpfel zum Braten. Wie sehr ich diesen Duft, heute noch, mag
Ich musste nur ans hintere Fenster klopfen, und die Nachbarin kam rüber

Der Schweinestall seit Weihnachten leer. Bald werden dort kleine Ferkel sein
Ich höre heute noch, wie sie, im Wettbewerb, „Trank“4 schlürfen aus dem Trog
Erinnerungen! Ihr seid immer da, mit euch darf ich daheim, zuhause sein
Feuer knistert unter dem Kessel. Kochwäsche dunstet. Erinnerungen, welch Sog

Erinnerungen! Sie saugen mich auf und lassen mich leben
Jene Stunden, die mir heilig und wert, denen Achtung und Ehrfurcht gebühren
Erinnerungen! Was könnt ihr mir so viel Glück, so viel Heimat geben
Durch euch darf mein Heimweh gelebtes Glück vergangener Jahrzehnte berühren

Ich höre den Hund bellen, die Ente schnattert, die Katze miaut
Ich sehe den schneebeladenen Besen am Gartenzaun stehen
Ich sehe Wunder der Erde, wenn mein Heimweh über Hatzfeld schaut
Bewahret diese Stadt! Mögen „Alt und Neu“, Hand in Hand, durch die Gassen gehen

Heimat! Ich bin so weit. Mein Heimweh ruft mal wieder nach dir
Tränen fallen schweigend aufs Blatt Papier. Ich rieche deinen Rauch vom Feld
Bestimmt wird Reisig verbrannt. Deine Blumen bald des Frühlings farbenbunte Zier
In Gedanken bin ich dir nah, du meine Heimat, du mein gutes, altes, treues Hatzfeld

©Elisabeth Anton, Speyer Hatzfeld
               08.02.2007

1). Östlicher Ortsteil von Hatzfeld        2). Wie ein Waschtrog, nur innen mit rostfreiem Blech ausgekleidet. Da wurde das Fleisch gesalzen, lag einige Wochen in diesem Salz, bis es dann abgewaschen, abgetrocknet und geselcht werden konnte   3).Großmutter  4). Gemisch von Essensresten, Kleie, gekochten Kartoffelschalen, Wasser - ein Trunk für Schweine, die bio ernährt wurden, mit Mais und Klee aus dem Garten.


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