Sonntag, 12. Januar 2020

Wenn das Herz seine Scherben klirren hört


















 Foto:©Elisabeth Anton


Wenn das Herz seine Scherben klirren hört    

        Erinnerungen aus der Heimat





Ein letzter Blick zurück

Welch grenzenloser Schmerz



Welch erstickende Traurigkeit

Auf dem Weg Richtung Freiheit



An den Fenstern keine Vorhänge mehr

Am Brunnen rostet die Kette vor sich hin



Alle Räume „besenrein“

Laut Vorschrift der Diktaturzeit



Alles verschenkt, alles weg

Was Generationen sich vom Mund abgespart



Ein letzter Blick über Hof und Garten

Wo die Blumen in lautloser Stille weinen



Die Schweineställe, der Schuppen, Keller, alles leer

Der Dachboden allein, mit seinem sprachlosen Selcher



In der Küche keine Katze mehr unter dem Sparherd

Die gute alte Nähmaschine längst verschenkt



Die Tauben, in seltsamem Aufruhr

Keine Hühner, keine Gänse, keine Schweine mehr



Ein Lebenswerk von Generationen

In nur wenigen Wochen dahin, als ob nie gewesen



Ein letzter Blick, ein allerletzter

Für den Abschied, für den Weg Richtung Freiheit



Eine Stille, die Tränen hörbar macht

Das Herz seine eigenen Scherben klirren hört



Aussiedlung statt Grenzen geöffnet

Für Freiheit, für eine friedliche Welt



Mensch, bis du erkennst, was wichtig

Wird es für immer und alles zu spät sein



Wach auf, Mensch! Wach auf!



©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                10.01.2020


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