Foto:©Elisabeth Anton
Meine Großeltern, sie haben gewarnt
Heimat, Heimat war für sie Heiligtum
„Kinder, wird das auch richtig sein?“
Haben meine Großeltern mich oft gefragt
„Da draußen, da wird keine Heimat sein.“
Ihre Worte bedacht, ihr Alter hoch betagt
Dann versuchte ich, manches zu erklären
„Ihr seid uns keine Rechenschaft schuldig
Wir werden uns nicht dagegen wehren
Wir gehen mit euch, wir sind geduldig
Nur ihr, ihr müsst immer daran denken
Wir werden in Freiheit, aber immer Fremde sein
Daran, daran müsst ihr auch mal denken
Hier, unsere Heimat, dort, sind wir in der Fremde allein.“
So oft haben mich diese Worte berührt
Wenn der Fremde Wirklichkeit gezeigt ihr Gesicht
Wenn ich das Wort „Ausländer“ am eigenen Leib gespürt
Dann wusste ich, meine Großeltern zogen vor Gericht
Sie kannten diese große, fremde Welt
Über Elend, Not, Krieg, Hunger und Vertreibung
Daher, daher haben sie sich Fragen gestellt
Die bei mir geschluckt von der Hoffnung
„Dort, dort werdet ihr nie zuhause sein
Niemals ein Zuhause, eine Heimat haben
Glaubt uns, wir wollen keine Spielverderber sein
Wir sehen nur mit anderen Augen dieser Freiheit Gaben
Hier, hier sind wir daheim, in unserem Haus
Dort, dort werden wir immer nur Fremde sein
So ist nun mal das Leben, nicht nur Honigschmaus
Freiheit, die Freiheit ist es nicht allein
Freiheit kann dir kein Zuhause, keine Heimat geben
Keine Nachbarn wie hier, nicht dein Elternhaus
Wir, wir wollen euren Träumen alle Chancen geben
Nur erinnern, dass in der Fremde fremd jeder Baum, jedes Haus.“
So oft haben meine Großeltern sie in Frage gestellt, diese Reise
Abgewogen mit den Möglichkeiten dieser Diktatur
„Auch DER wir irgendwann ins Gras beißen, auf seine Art und Weise
Ob bleiben oder gehen richtig, eine verdammt harte Spur."
Sie haben gewarnt, uns unterstützt, erklärt
Dass dieser Weg kein leichter wird sein
„Wir sind schon alt, haben euch nur erklärt
Damit ihr ahnt, Freiheit wird kein Zuckerschlecken sein.“
Heute, heute nach mehr als drei Jahrzehnten
Mal wieder Sommerzeit in der Fremde
Meine Gedanken sich nach Hause sehnten
Ihre Worte so wahr: Niemals Heimat, hier in der Fremde
Hier, hier wohne ich, es ist schön am Rhein
Wir haben viel geschuftet, gespart, für unser Haus
Aber Heimat, Heimat wird Speyer mir nie sein
Weil hier Heimat und Heimweh ohne Bühne, ohne Applaus
Der Wohlstand hat so vieles zunichte gemacht
Als ob auf Irrwegen dieser Leute Augenblicke, die Zeit
Dass hier so viele Herzen dicht gemacht
Schockiert mich bis heute. Viele schätzen nicht mal die Freiheit…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
02.09.2012

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