Mittwoch, 10. Februar 2021

Meine Großeltern, sie haben gewarnt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Meine Großeltern, sie haben gewarnt                                             

  Heimat, Heimat war für sie Heiligtum 

 

„Kinder, wird das auch richtig sein?“

Haben meine Großeltern mich oft gefragt

„Da draußen, da wird keine Heimat sein.“

Ihre Worte bedacht, ihr Alter hoch betagt

 

Dann versuchte ich, manches zu erklären

„Ihr seid uns keine Rechenschaft schuldig

Wir werden uns nicht dagegen wehren

Wir gehen mit euch, wir sind geduldig

 

Nur ihr, ihr müsst immer daran denken

Wir werden in Freiheit, aber immer Fremde sein

Daran, daran müsst ihr auch mal denken

Hier, unsere Heimat, dort, sind wir in der Fremde allein.“

 

So oft haben mich diese Worte berührt

Wenn der Fremde Wirklichkeit gezeigt ihr Gesicht

Wenn ich das Wort „Ausländer“ am eigenen Leib gespürt

Dann wusste ich, meine Großeltern zogen vor Gericht

 

Sie kannten diese große, fremde Welt

Über Elend, Not, Krieg, Hunger und Vertreibung

Daher, daher haben sie sich Fragen gestellt

Die bei mir geschluckt von der Hoffnung

 

„Dort, dort werdet ihr nie zuhause sein

Niemals ein Zuhause, eine Heimat haben

Glaubt uns, wir wollen keine Spielverderber sein

Wir sehen nur mit anderen Augen dieser Freiheit Gaben

 

Hier, hier sind wir daheim, in unserem Haus

Dort, dort werden wir immer nur Fremde sein

So ist nun mal das Leben, nicht nur Honigschmaus

Freiheit, die Freiheit ist es nicht allein

 

Freiheit kann dir kein Zuhause, keine Heimat geben

Keine Nachbarn wie hier, nicht dein Elternhaus

Wir, wir wollen euren Träumen alle Chancen geben

Nur erinnern, dass in der Fremde fremd jeder Baum, jedes Haus.“

 

So oft haben meine Großeltern sie in Frage gestellt, diese Reise

Abgewogen mit den Möglichkeiten dieser Diktatur

„Auch DER wir irgendwann ins Gras beißen, auf seine Art und Weise

Ob bleiben oder gehen richtig, eine verdammt harte Spur."

 

Sie haben gewarnt, uns unterstützt, erklärt

Dass dieser Weg kein leichter wird sein

„Wir sind schon alt, haben euch nur erklärt

Damit ihr ahnt, Freiheit wird kein Zuckerschlecken sein.“

 

Heute, heute nach mehr als drei Jahrzehnten

Mal wieder Sommerzeit in der Fremde

Meine Gedanken sich nach Hause sehnten

Ihre Worte so wahr: Niemals Heimat, hier in der Fremde

 

Hier, hier wohne ich, es ist schön am Rhein

Wir haben viel geschuftet, gespart, für unser Haus

Aber Heimat, Heimat wird Speyer mir nie sein

Weil hier Heimat und Heimweh ohne Bühne, ohne Applaus

 

Der Wohlstand hat so vieles zunichte gemacht

Als ob auf Irrwegen dieser Leute Augenblicke, die Zeit

Dass hier so viele Herzen dicht gemacht

Schockiert mich bis heute. Viele schätzen nicht mal die Freiheit…

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                  02.09.2012

 

 

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