Dienstag, 9. Februar 2021

Wasserschleppen vom artesischen Brunnen an der Neuen Bahn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto:©Elisabeth Anton

 

Wasserschleppen vom artesischen Brunnen an der Neuen Bahn    

Hatzfeld, deine artesischen Brunnen, sie sprudeln nicht mehr

 

In Gedanken rollen Bilder, Geschichten, ich atme Heimat

Erinnerungen plätschern am Brunnenrand

Hatzfeld, du meine Heimat, du alte, edle Stadt

So weit in der Fremde bin ich, so kalt das Land

 

Ich denke gerne an unsere Jahrzehnte zurück

Wo wir das Wasser mit Gießkannen geschleppt, von der Neuen Bahn

Oft Schlange gestanden, beim artesischen Brunnen. Des Weges Stück

Ziemlich weit bis nach Hause, vom Brunnen an der Neuen Bahn

 

Dort, wo die Spengelgass, an der Ecke zu Ende

Ging der Weg weiter, vorbei an der Kaul, über eine Wiese

Über die Kanalbrücke, bis zu den saftigen Baumkronen. Wende

Hier gings die Treppen hinunter zum guten Brunnen, ein Wasserriese

 

Einfach aus der Erde floss er, dieser „Wasser – Reichtum“

Was war das auch Treffpunkt für manche Neuigkeiten

Dann schleppten wir die Gießkannen nach Hause. Der Buckel oft krumm

Was war „Wasser holen“ so begehrt. Der Blick über der Felder Weiten

 

Ging ich über die Kanalbrücke, schaute ich nach Süden, weit hinaus

Manchmal, das Land der Freiheit zu erblicken

Oft ging ich dann traurig, sehr traurig, wieder nach Haus

So herzklopfend konnte der alte Wecker mäßig für mich ticken

 

Manchmal, so oft es durchs Jahr erlebt, bei Überflutungen

Wenn das Wasser in der Kaul sehr gestiegen

Mussten wir auf dieser Wiese Ziegel legen. Abenteuererinnerungen

Auf diesen wankten wir im Gleichgewicht. Mal Verlieren, mal Siegen

 

Nicht immer trafen unserer Schritte den nächsten Ziegelstein

An der Kanalbrücke war es oft sehr gefährlich

Das Wasser fast dem Brückenkopf gleich. Da sollte ein Geländer sein

Dieser Zustand für uns Kinder, täglich, selbstverständlich

 

Manchmal, ich erinnere mich, ich muss schon zugeben

Stand ich auf diesem gefährlichen Brückenrand

Ganz dicht vorne. Der Kanal viele Meter tief, Brücke uralt eben

Ging zwei Schritte zurück. Gefährlich, wenn so nah am Brückenrand ich stand

 

Und dennoch, für uns war dies gelebter Alltag, Normalität

Bis, irgendwann, die Moderne uns „beschenkt“ mit Wasserleitungen

Nie mehr gab es diese gesunde, einzigartige Wasserqualität

Unseres artesischen Brunnens. Welch Erinnerungen

 

Obwohl Wasserleitungen zuerst auf der Straße, dann im Haus

Trinkwasser schleppten wir weiter vom artesischen Brunnen an der Neuen Bahn

Fast an jeder Ecke, verteilt in ganz Hatzfeld, diese Brunnen. Welch Schmaus

Plötzlich, nach und nach alle verschwunden, durch mancher Leute Unfähigkeitswahn

 

Und hat man dann seinen Unmut erwähnt

Dass es eine Sünde, diese Brunnen zu vernichten

Manch Verantwortlicher noch sinnlos gegähnt

„Eine Schwalbe allein kann keinen Sommer richten.“

 

Heute, keine Wasserqualität mehr in meiner Heimat, in ganz Hatzfeld

Davon nichts mehr zu sehen, kein artesischer Brunnen mehr

Alles kaputt gemacht, von dieser, angeblich, „modernen Welt“

Die artesischen Brunnen meiner Heimat, sie sprudeln nicht mehr

 

©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld

                 20.09.2012

 

 

 

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