Foto:©Elisabeth Anton
Wasserschleppen vom artesischen Brunnen an der Neuen Bahn
Hatzfeld, deine artesischen Brunnen, sie sprudeln nicht mehr
In Gedanken rollen Bilder, Geschichten, ich atme Heimat
Erinnerungen plätschern am Brunnenrand
Hatzfeld, du meine Heimat, du alte, edle Stadt
So weit in der Fremde bin ich, so kalt das Land
Ich denke gerne an unsere Jahrzehnte zurück
Wo wir das Wasser mit Gießkannen geschleppt, von der Neuen Bahn
Oft Schlange gestanden, beim artesischen Brunnen. Des Weges Stück
Ziemlich weit bis nach Hause, vom Brunnen an der Neuen Bahn
Dort, wo die Spengelgass, an der Ecke zu Ende
Ging der Weg weiter, vorbei an der Kaul, über eine Wiese
Über die Kanalbrücke, bis zu den saftigen Baumkronen. Wende
Hier gings die Treppen hinunter zum guten Brunnen, ein Wasserriese
Einfach aus der Erde floss er, dieser „Wasser – Reichtum“
Was war das auch Treffpunkt für manche Neuigkeiten
Dann schleppten wir die Gießkannen nach Hause. Der Buckel oft krumm
Was war „Wasser holen“ so begehrt. Der Blick über der Felder Weiten
Ging ich über die Kanalbrücke, schaute ich nach Süden, weit hinaus
Manchmal, das Land der Freiheit zu erblicken
Oft ging ich dann traurig, sehr traurig, wieder nach Haus
So herzklopfend konnte der alte Wecker mäßig für mich ticken
Manchmal, so oft es durchs Jahr erlebt, bei Überflutungen
Wenn das Wasser in der Kaul sehr gestiegen
Mussten wir auf dieser Wiese Ziegel legen. Abenteuererinnerungen
Auf diesen wankten wir im Gleichgewicht. Mal Verlieren, mal Siegen
Nicht immer trafen unserer Schritte den nächsten Ziegelstein
An der Kanalbrücke war es oft sehr gefährlich
Das Wasser fast dem Brückenkopf gleich. Da sollte ein Geländer sein
Dieser Zustand für uns Kinder, täglich, selbstverständlich
Manchmal, ich erinnere mich, ich muss schon zugeben
Stand ich auf diesem gefährlichen Brückenrand
Ganz dicht vorne. Der Kanal viele Meter tief, Brücke uralt eben
Ging zwei Schritte zurück. Gefährlich, wenn so nah am Brückenrand ich stand
Und dennoch, für uns war dies gelebter Alltag, Normalität
Bis, irgendwann, die Moderne uns „beschenkt“ mit Wasserleitungen
Nie mehr gab es diese gesunde, einzigartige Wasserqualität
Unseres artesischen Brunnens. Welch Erinnerungen
Obwohl Wasserleitungen zuerst auf der Straße, dann im Haus
Trinkwasser schleppten wir weiter vom artesischen Brunnen an der Neuen Bahn
Fast an jeder Ecke, verteilt in ganz Hatzfeld, diese Brunnen. Welch Schmaus
Plötzlich, nach und nach alle verschwunden, durch mancher Leute Unfähigkeitswahn
Und hat man dann seinen Unmut erwähnt
Dass es eine Sünde, diese Brunnen zu vernichten
Manch Verantwortlicher noch sinnlos gegähnt
„Eine Schwalbe allein kann keinen Sommer richten.“
Heute, keine Wasserqualität mehr in meiner Heimat, in ganz Hatzfeld
Davon nichts mehr zu sehen, kein artesischer Brunnen mehr
Alles kaputt gemacht, von dieser, angeblich, „modernen Welt“
Die artesischen Brunnen meiner Heimat, sie sprudeln nicht mehr
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
20.09.2012

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