Foto:©Elisabeth Anton
Wer Liebe nicht verstehen kann
Ihre Liebe war ihr Leben, ER war so wohlhabend
SIE, aus armem Elternhaus. Ihre Jugendzeit so reich
Im Geheimnis ihrer Liebe, wenn sie sich begegnet, im Schatten des Waldes
Bis, eines Tages, mitten im Mai, seine Eltern IHM diese Liebe verboten
ER eilte zu „ihrem Ort“, im Schatten des Waldes, erzählt
Diese traurige Wahrheit, umarmte sie ein letztes Mal: „Ich gehe ins Kloster!“
„Nein“, flehte sie, „Nein, das darfst du nicht tun
Lebe dein Leben, such eine andere, die dich liebt.“
Flüsterte sie ihm, mit zitternder Stimme
Die Zeit zog davon, die Jahrzehnte mit ihr
Bis SIE, eines Tages, durch Zufall, ein Kloster besuchte
Sie wusste nicht, wohin er gegangen. SIE blieb immer allein
Vor einem Klosteraltar faltete sie ihre Hände
Um zu beten, nur für IHN, seine Gesundheit, sein Glück
Ihre Tränen, wie eine Nebelwand über ihrem Gesicht
Nachdem ein greiser Mönch ihr geflüstert:
„Dort, dort am Felsen, dort stürzte er sich ins Meer
Schon einen Tag nach seiner Ankunft hier
Weil er, ohne dich nicht leben konnte, wollte
ER schrieb diesen Brief für dich
Ich hob ihn auf, weil ich wusste, du wirst kommen.“
Sie öffnete den Brief aus samtweichem Papier
Worauf er geschrieben: „Nur für dich
Ein Leben ohne dich, ohne deine Liebe, das ist kein Leben. Verzeih mir.“
Sie faltete den Brief in seine Ursprungsform
Drückte ihn fest an ihr Herz, ihre Tränen löschten ihren Namen
Ihr Herz, es hörte auf zu schlagen, vom Schmerz der Wahrheit
Nur seinen Eltern, halfen weder Armut noch Reichtum
Diese Tragödie rückgängig zu machen, das war unmöglich
Das sahen sie zu spät, als der Sarg ihres Kindes in Muttererde zur Ruhe gelegt
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
09.05.2020
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen