Foto:©Elisabeth Anton
Heimatfriedhöfe, eines Tages verschwunden
Wer hätte das gedacht
Dass man, wegen Freiheit
Seine Heimat opfern musste
Statt, den Eisernen Vorhang zu Fall zu bringen
Hielt man an diesem fest
Ließ die Menschen alles verlieren
Alles aufgeben, für ihre ersehnte Freiheit
Und alle schauten zu
Die Diktatur stahl, mal wieder, alles
Was nur machbar möglich war
Damit man mit nur einem Koffer, einer Kiste
Ausreisen durfte, was hier im Westen
„Aussiedlung“ genannt
Ich wollte es nicht glauben
Als mich dieses Wort zum ersten Mal berührt
Wir wurden „ausgesiedelt“, um hier im Westen
Die Not an Arbeitskräften zu lindern
Selbst der Heimatfriedhof musste allein bleiben
Weil kein anderer Weg für die Freiheit möglich
Als zu gehen, „auszusiedeln“, Heimat opfern
Heute, über vier Jahrzehnte danach
Sind viele Gräber verschwunden
Auf manchem Friedhof, in Ortschaften
Wo keine Deutschen mehr leben
Was noch vorhanden, nur noch einsam und verlassen
Die vom Wind und der Zeit gebeugten Grabsteine
Von Regen und Schnee verwischten Namen
Alles im Sinne von „Aussiedlung“, für ersehnte Freiheit
Statt Diktatur zu beenden, den Eisernen Vorhang zu öffnen
Diplomatisch, in Frieden, ohne Fluchtopfer an der Grenze
Musste man „aussiedeln“, Heimat opfern
Wie erbärmlich arm sie geworden, unsere Welt…
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
11.03.2022
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