Foto:©Elisabeth Anton
Du musst auch diese Krankheit lieben
Wenn Alzheimer dein Schicksal
Mit nur einem Wimpernschlag hat sie aufgehört
Meine Welt, die einst so viel Glück und Leid gekannt
Mit nur einem Zeigerumdrehen war auf einem alles zerstört
Das „Schleichende Vergessen“ hat man diese Krankheit genannt
Alles, aber auch alles war zu Ende
Alles hat seine Farben, seine Lebendigkeit verloren
Gedankenverloren meine Zeit, eisig frierende Hände
Und die Frage: „Warum? Warum ward ich eigentlich geboren?“
Mit nur einem Wimpernschlag war alles auf den Kopf gestellt
Mit nur einem Glockenschlag war alles zur finsteren Nacht
Heute, alles nur Tränen, wo gestern noch Märchen erzählt
Was hat „das schleichende Vergessen“ aus meinem Leben gemacht
Als hätte sich der Erdball auf eine andere Seite gedreht
Als hätten Nebelschleier den Platz der Sonne eingenommen
Eisig kalter Wind mir ins tränennasse Gesicht weht
Mit nur einem Wimpernschlag ward mir alles genommen
Meine Welt brach zusammen. Ich weinte hier, mutterseelenallein
Meine betenden Hände Richtung Himmel gestreckt
Wie grausam kann doch „das schleichende Vergessen“ sein
Ich warte heute noch, dass man mich aus „diesem Traum“ weckt
Ich weiß genau, dies ist meine zu lebende Wirklichkeit
Das ist mein Leben für unsere golden geplante Herbstzeit
Das „Schleichende Vergessen“, die Tragödie meines Lebens. Man braucht Zeit
Um auch sie zu lieben, damit sie lebenswert, die Stunden mit dieser Krankheit
©Elisabeth Anton, Speyer / Hatzfeld
06.01.2006
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